Erneut wird Italien von innen angegriffen, in den 1970er Jahren sorgte die Freimaurerloge Propaganda due (P2) für Aufsehen, die es schaffte, ihre Logenbrüder in die höchsten Ämter des Staates zu installieren. Diese Freimaurerloge, in deren Mitgliederlisten große Namen wie Silvio Berlusconi auftauchten, hatte nicht Brüderlichkeit, sondern Macht zum Ziel. Wegen Verschwörung gegen den Staat wurde die Loge später vom Parlament verboten und aufgelöst. Doch konnten die Ermittler wirklich alle Strukturen zerschlagen?
Der neuste Skandal um eine Verschwörung gegen den Staat lässt Raum für Spekulationen, hat die geheimnisvolle Propaganda due nie aufgehört zu existieren? Eine Nachfolgerorganisation, die von den Ermittlern „P3“ genannt wird, greift nach der Macht in Italien. 15 000 Seiten eines Abhörprotokolls belegen, dass versucht wurde, Regionalwahlen, Richterernennungen und sogar das Verfassungsgericht zu manipulieren. Die Verschwörung reicht bis in die Regierung Berlusconis, der Unterstaatssekretär im Wirtschaftsministerium, Nicola Cosentino, musste bereits zurücktreten, nun wurde gegen den Unterstaatssekretär im Justizministerium, Giacomo Caliendo, ein Misstrauensantrag gestellt, er soll ebenfalls zurücktreten.
Berlusconi gibt sich gelassen und sagte beschwichtigend: „Von 100 Personen gibt es immer drei oder vier, die keine Engel sind“. Fast wirkt es so, als wolle Berlusconi den Skandal herunterspielen, für ihn sei die P3 Loge nur eine „Spielerei von Pensionären“. Die Tatsache, dass sein eigenes Kabinett von Kriminellen unterwandert ist, sollte doch auch für einen Silvio Berlusconi beängstigend sein, oder mischt der Premierminister sogar bei den Machenschaften mit? Fakt ist, dass ein gewisser „Cesare“ bei den Abhörprotokollen auftaucht. Zwar stritt Berlusconi seine Mitgliedschaft in der P2-Loge stets ab, dennoch tauchte sein Name auf den protokollierten Mitgliederlisten auf. Lässt diese Verbindung den Schluss zu, dass die alten Seilschaften noch heute funktionieren?
Publik wurde die Verschwörung überhaupt erst durch die Ermittlungen der Carabinieri in einem Bestechungsfall. Der Bauunternehmer Flavio Carboni, soll durch das Schmieren von Behörden, an einen Bauauftrag für eine Windkraftanlage gekommen sein. Die Abhörprotokolle deckten dann die gesamte Reichweite des Skandals auf. Welche Konsequenzen der Skandal für die Regierung haben könnte, wird durch den immer lauter werdenden Ruf der Opposition nach Neuwahlen und dem geforderten Rücktritt von Silvio Berlusconis deutlich.
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