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Koran-Verbrennung - Weltweite Ausschreitungen befürchtet

Kabul/Washington (dapd). Westliche Geheimdienste befürchten wegen der angekündigten öffentlichen Koran-Verbrennung durch eine kleine evangelikale Kirchengemeinde in Florida weltweite Ausschreitungen der Muslime. Die Verbrennung des "Heiligen Buches der Muslime" könne eine noch größere Empörung der Muslime auslösen als vor vier Jahren die Karikatur des Propheten Mohammed mit einer Bombe und Lunte als schwarzer Turban auf dem Kopf, sagte ein Vertreter der CIA am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd in Washington.

 

Pastor Terry Jones der 50-Seelen-Gemeinde "Dove World Outreach Center" im kleinen Ort Gainesville in Florida hatte angekündigt, dass am Samstagabend - dem neunten Jahrestag der islamistischen Anschläge in den USA - in der Dämmerung auf einem Scheiterhaufen der Gemeinde Koran-Bücher verbrannt werden sollen. Die Verbrennung steht unter dem Motto: "Der Islam kommt vom Teufel".

Neben der Regierung in Washington und vielen christlichen und jüdischen Institutionen hat auch der Oberkommandierende der ISAF-Truppen in Afghanistan, General David Petraeus, den Pastor eindringlich vor seinem Vorgehen gegen den Islam gewarnt. Der General fürchtet "um eine zusätzliche Gefährdung" seiner Soldaten. Das Vorhaben der fundamentalistischen Kirche spiele der Propaganda der Taliban "geradezu in die Hände", ließ Petraeus wissen. Aus Kreisen des afghanischen Geheimdienstes NDS erfuhr dadp in Kabul, dass die Taliban offenbar für Samstag "aus Rache einen spektakulären Anschlag in Afghanistan" planen.

Als besonders gefährdet gilt der Standort der Bundeswehr im nordafghanischen Kundus. Ein Sprecher des Einsatzungsführungskommandos in Potsdam erklärte auf Anfrage, dass die Situation auch in den anderen deutschen Standorten "genau beobachtet und verfolgt wird". Alle Beobachtungen würden in die ständige Lagebeurteilung einfließen". Die Soldaten der Bundeswehr seien zu "erhöhter Wachsamkeit aufgerufen worden".

Bei Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung hatte es vor vier Jahren in Afghanistan mehrere Tote gegeben. Norwegische Soldaten waren in ihrem Camp schwer von protestierenden Afghanen bedrängt worden.

In Afghanistan und in Indonesien ist es wegen der angekündigten Koran-Verbrennung schon in den letzten Tagen zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Am Hindukusch erwarten die Geheimdienste, dass die Taliban die Protestwelle zum Anlass nehmen, um ihre wiedergewonnene Stärke zu demonstrieren.

Geheimdienstler gehen davon aus, dass die Taliban auf ihre alten Taktiken zurückgreifen, möglichst viele Demonstranten auch mit "Geld" auf die Straßen zu bringen. Die Taliban würden schon mal 100 Dollar an Demonstranten zahlen, wenn sie bei lautstarken Protesten mitmachen, berichteten Geheimdienstler.

In Indonesien haben Muslime bereits US-Flaggen vor der amerikanischen Botschaft in Djakarta verbrannt und mit dem" Heiligen Krieg" gedroht, sollte die Koran-Verbrennung in Florida nicht unterbleiben.

Die Gemeinde von Pastor Jones hat schon länger eine Neigung zur Provokation gegen den Islam gezeigt. Im vergangenen Jahr schickte sie ihre Kinder mit T-Shirts zur Schule, auf denen stand: "Islam ist des Teufels". Der Pastor wendet sich gegen das mutmaßliche Streben radikaler Muslime nach der "Welt-Dominanz". Er sagte, die Muslime hätten "unerschöpfliche finanzielle Ressourcen". Es sei an der Zeit, dass sich die Kirche dagegen wehrt. "Um Europa ist es schon geschehen, aber es noch nicht zu spät für Amerika", meinte Jones.

Der Pastor bezeichnete die Bedenken von Petraeus als "legitim". Aber den "radikalen Elementen des Islam" müsse eine klare Botschaft geschickt werden. Die USA dürften sich nicht länger von ihren Drohungen kontrollieren und dominieren lassen. Jones war lange in Köln als Seelsorger tätig, bestätigte die "Christliche Gemeinde Köln". Zwischen der Gemeinde und Jones sei es aber vor zwei Jahren zum Bruch gekommen.

Rund 1.400 Jahre nach seiner Gründung ist der Islam die zweitgrößte der drei monotheistischen Religionen auf der Welt. Muslime erkennen zwar auch Jesus, Moses und Abraham als Propheten an. Mohammed wird aber als "Siegel der Propheten" bezeichnet. Das bedeutet, dass nach ihm keine anderen Propheten mehr kommen. Mohammed wurde 570 in Mekka geboren. Er starb 632 und wurde in Medina begraben.

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