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CIA-Geheimdossier: Wie man Verbündete manipuliert

Der Enthüllungs-Internetseite „Wikileaks“ schlägt in diesen Tagen große Wellen in der Medienlandschaft. Im Zuge der aktuellen Entwicklung um die „Afghanistan-Protokolle“ (Die F.A. berichtete) fällt die Aufmerksamkeit auch auf ein Geheimdokument der CIA, das dort bereits im März veröffentlicht, jedoch bislang von der Presse ignoriert worden war. In beinahe zynischer Art bringt dieses Sonder-Memorandum die Haltung der Europäischen Bevölkerung zum Krieg in Afghanistan auf den Punkt: „Die öffentliche Apathie ermöglicht es den Führern, die Wähler zu ignorieren.“

Von: C.K. Heil

„Afghanistan: Die Erhaltung der Unterstützung Westeuropas im NATO-Einsatz – Warum vertrauen auf Apathie nicht genug sein mag“, so lautet der Titel der Analyse der „Red Cell“ des CIA.  Apathie – damit ist die Gleichgültigkeit der europäischen Bevölkerung gegenüber dem Krieg in Afghanistan gemeint.

 

 Was nun folgt ist eine ausführliche Auswertung der Ergebnisse von Umfragen des INR (Bureau of Intelligence and Research), die zeigen, dass zwar 80 % der Bevölkerung von Deutschland und Frankreich den Einsatz am Hindukutsch ablehnen, aber nur 0.1-1.3 Prozent dies als dringlichste politische Angelegenheit betrachten. Darum sei es den politischen Führern möglich, trotz dieses Widerstandes unter den Wählern ihre Truppenkontingente in der ISAF-Mission kontinuierlich zu steigern. Eine Erhöhung der Opferzahlen allerdings könne dafür sorgen, dass „die passive Missbilligung der Franzosen und Deutschen an der Beteiligung ihrer Soldaten in aktiven und politisch wirksamen Widerstand“ umschlägt.

 

Doch das Sonder-Memorandum bleibt nicht dabei, die Zustände in Europa zu analysieren. Es beschäftigt sich auch mit Möglichkeiten, die Einstellung der westeuropäischen Bevölkerung zu manipulieren.

 

 „Durch gezielte Berichterstattung könnte ein Anwachsen des öffentlichen Widerstandes verhindert oder wenigstens eingedämmt werden“, stellt der Bericht nüchtern fest. Weiter wird festgestellt, dass die westeuropäische Öffentlichkeit auf einen Frühling und Sommer mit größeren militärischen und zivilen Verlusten besser vorbereitet wäre, wenn sie klare Verbindungen zwischen den Ergebnissen in Afghanistan und ihren eigenen Interessen erkennen könne. 

 

Da das Hauptaugenmerk der Franzosen auf dem Schicksal der Zivilisten und Flüchtlinge läge, müsse man dort anhand von Beispielen konkreter Fortschritte die Botschaft von den Segnungen des ISAF-Einsatzes für die afghanische Bevölkerung verbreiten.

 

Die Deutschen hingegen seien besorgt um Preis und Prinzip des ISAF-Einsatzes.  Haupteinwand seien die immensen Kosten und Zweifel an den Grundsätzen der Besatzung. Als Lösungsvorschlag nennt das Sonder-Memorandum:  Nachrichten, die die Folgen einer Nato-Niederlage für deutsche Interessen dramatisieren, können der weitverbreiteten Meinung entgegenwirken, Afghanistan sei nicht Deutschlands Problem.“ Illustrationen davon, wie Deutschland  bei einem Misserfolg in Afghanistan bedroht sei von Terrorismus, Rauschgifthandel und dem Zustrom von Flüchtlingen, seien im Stande, auch Skeptiker von der Notwendigkeit dieses Krieges zu überzeugen.

 

Trotz der deutschen „Allergie gegen bewaffnete Konflikte“ habe es in den 1990er Jahren bereits einen Präzedenzfall gegeben, als Deutschland sich an den Kämpfen auf dem Balkan beteiligte, um seinen Verpflichtungen gegenüber den NATO-Verbündeten nachzukommen.  Auch die  INR-Umfrage von 2009  habe  ergeben, dass die Deutschen die Hilfe für ihre Verbündeten als wichtigsten Grund für die Beteiligung am Afghanistan-Krieg betrachteten .

 

Apelle des Präsidenten Obama erweisen sich sicherlich als nützlich. Das Vertrauen der Europäer in Obama und ihre Enttäuschung über das Nichterscheinen des US-amerikanischen Präsidenten ließen die Annahme zu, „dass sie empfänglich wären für dessen direkte Bestätigung ihrer Wichtigkeit für die ISAF-Mission - und empfindlich für den direkten Ausdruck von Enttäuschung über Verbündete, die nicht helfen wollen.“

 

Besonders das drohende Schicksal der Frauen in Afghanistan im Falle eines Scheiterns der ISAF-Mission wäre gerade für die weibliche Bevölkerung  Westeuropas ein überzeugendes Argument. Diese Frauen seien mit Berichten über ihre Sehnsüchte für die Zukunft und ihrer Angst vor einem Sieg der Taliban authentische und glaubwürdige Botschafterinnen, die mithelfen könnten, den starken Widerstand deutscher und französischer Frauen gegen den Afghanistan-Krieg zu überwinden.

 

Nach Lektüre des lediglich vier Seiten umfassenden Berichts steigen verschiedene Bedenken in dem Leser auf, für dessen Augen diese Worte nie bestimmt waren.  Denn diese Überlegungen zur Indoktrination besonders der deutschen und französischen Bevölkerung machen ja nur dann Sinn, wenn die US-amerikanischen Geheimdienste auch über die tatsächlichen Mittel verfügen, die europäischen Leitmedien in diesem Umfang zu manipulieren.

 

(Quelle: Wikileaks)

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