Im Grunde enthüllen diese geheimen Informationen nichts neues, es herrscht Krieg, und der ist schmutzig, unerbittlich und fordert die Unschuld als Blutzoll. Die Protokolle umschreiben das Sterben am Hindukusch, bürokratisch und distanziert. Die operierende Einheit, deren Transportmittel zum Zielgebiet, die strategische Einsatzführung, der getötete Mensch – letztendlich nur eine statistisch erfasste Zahl. So ist Krieg und so wird er auch immer sein. Der Krieg ändert sich nicht, aber die Art und Weise wie berichtet wird.
Die Berichterstattung der führenden Medien wirkt eher Regierungskonform, den Schrecken des Krieges hinnehmend. Anders die Eindrücke des kämpfenden Soldaten, die unmittelbar und ungefiltert online gestellt werden. Diese subjektiven Impressionen des Krieges scheinen eher den Tatsachen zu entsprechen. „Involved Journalist“ anstatt „embedded Journalist“? Steht der Berufsstand der Journalisten vor einem Umbruch?
Die Wikileaks-Enthüllung stellt ein weiteres Anzeichen über eine grundlegende Veränderung in der Medienlandschaft dar. Die großen Nachrichtenproduzenten wie „Spiegel“ versuchen mit eigenen Onlineauftritten dem Trend zu folgen, geraten aber ins Hintertreffen. Guerilla-Medien wie Wiki-Leaks haben den schwerfälligen Redaktionen in Sachen Geschwindigkeit und potentielle Informanten vieles voraus. Sind die schwindenden Auflagen der Großen Nachrichtenmagazine symptomatisch für den Wandel im Journalismus?
Am Beispiel WikiLeaks zeigt sich, wie sehr die großen Redaktionen auf Informationen aus dem Internet zurückgreifen müssen, vorbei die Zeit als die großen Nachrichtenmagazine das alleinige Monopol auf Enthüllungsstories hatten. Das Beispiel der „Afghanistan Protokolle“ zeigt, wie eine Internetseite die Schlagzeilen der Welt bestimmen kann und die großen Nachrichtenproduzenten wie „Times“ und „Spiegel“ nur noch über die Story aus dem Internet berichten können. Die Internetquellen scheinen die Führung in der Nachrichtenwelt zu übernehmen - aber nicht ohne Gegenwehr.
Der Spiegel und andere große Medien versuchen ihre Vormachtstellung zu halten, in dem die News aus dem Netz herabgewürdigt werden. So wird die Veröffentlichungen des Wikileaks-Gründer Julian Assange von der Zeitung „Die Welt“ als Anmaßung empfunden. Pressestimmen sagen ihm Spendenskandale nach und sein Handeln sei eine Gefahr für das Leben „unserer“ Soldaten. Das „Time-Magazin“ scheint aber die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und stellt WikiLeaks als Journalistisches Mittel mit dem „Freedom of Information Act“ gleich .
„…could become as important a journalistic tool as the Freedom of Information Act.“




















































