Der Mitangeklagte Daniel S. war nach Aussage von G. zögerlicher und ängstlicher. Der vierte Angeklagte Attila S. sei nach einem Gespräch mit G. wegen "persönlicher Bedenken" aus der Operation ausgestiegen und in die Türkei ausgereist. S. habe nur noch den Auftrag gehabt, für die "Sauerland-Gruppe" Zünder für die Bomben in der Türkei zu beschaffen. "Nur wer weitergemacht hat, der gehört dazu", versuchte G. seinen Mitangeklagten zu entlasten.
Zuvor hatte G. dem Gericht seine allmähliche Hinwendung zum Islam geschildert. So sei er kurz vor seinem 16. Geburstag konvertiert. Dies sei eine "rein rationale" Entscheidung gewesen, der viele Gespräche mit türkischen Schulfreunden vorausgegangen seien, sagte G. Zunächst habe er der Religion sogar "eher skeptisch" gegenübergestanden. Dann aber hätten ihn die Diskussionen überzeugt. Anfangs habe er auch nicht streng nach muslimischen Regeln gelebt, betonte G..
Zur langsamen Radikalisierung sei es nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gekommen, sagte der 29-Jährige. Damals habe "der Westen sein wahres Gesicht gezeigt", weil er nun offen Krieg gegen den Islam geführt habe. G. informierte sich daraufhin nach eigenen Angaben im Internet mehr über den Islam und ging alle zwei Tage in das Multikulturhaus in Ulm, einen bekannten Islamisten-Treff. Bereits Ende 2002 habe er den allgemeinen Entschluss gefasst gehabt, "irgendwann einmal" in den Dschihad zu ziehen, sagte G.
Ein Schlüsselerlebnis sei auch die Verschleppung seines Glaubensbruders Khaled el-Masri durch die CIA im Jahr 2004 gewesen, sagte G.. Er habe den Deutsch-Libanesen el-Masri aus der Ulmer Moschee gekannt, sie hätten bei den Gebeten stets nahe beieinander gesessen. Der Krieg der Amerikaner gegen die Muslime sei daher "bis auf drei Meter" an ihn herangekommen, sagte G. Das habe seinen Entschluss bestärkt, in den Heiligen Krieg zu ziehen.
Er habe gegen die Amerikaner und die NATO kämpfen wollen, sagte G. Der Ort des Kampfes sei dabei zweitrangig gewesen. Er habe auch den Kampf gegen deutsche Soldaten nicht ausgeschlossen, auch wenn er "konkret nicht darüber nachgedacht" habe, sagte G. auf Nachfrage von Bundesanwalt Volker Brinkmann. Auch sei ihm bewusst gewesen, dass er im Dschihad selbst getötet werden könne, sagte G.
Am Nachmittag sollte die Verhandlung mit der Vernehmung von Adem Y. fortgesetzt werden.
Die Bundesanwaltschaft wirft den vier Angeklagten vor, im Jahr 2007 Autobombenanschläge auf US-Einrichtungen in mehreren deutschen Großstädten geplant zu haben. Die Männer sollen sich dazu zwölf Fässer mit Chemikalien beschafft und in einer Ferienwohnung im sauerländischen Medebach-Oberschledorn damit begonnen haben, daraus Sprengstoff herzustellen.
ddp
Mit 16 zum Islam
Düsseldorf (ddp). Im Prozess gegen die vier mutmaßlichen Islamisten der "Sauerland-Gruppe" hat der Angeklagte Fritz G. seine Radikalisierung beschrieben. Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf betonte der mutmaßliche Rädelsführer am Dienstag zugleich, dass hauptsächlich er und Adem Y. die Anschläge auf US-Amerikaner in Deutschland befürwortet hätten. "Adem und ich standen für diese Operation", sagte der Konvertit aus Ulm.
11.08.09 -



















































