Eher konventionell und aus deutschen Landen erzählt "Ein Teil von mir" die Geschichte junger Eltern wider Willen. Jonas will es eigentlich allen immer nur Recht machen, er will nicht auffallen, mit dem Strom schwimmen, nirgendwo anecken, damit er auch überall dazu gehört und beliebt ist. Seine watteweiche Welt wird jedoch jäh aus ihren Grundfesten gehoben, als ein vergessener Party-Aufriss ihm unterbreitet, bereits Vater geworden zu sein. Der 16-Jährige weist seine kleine Tochter Klara zuerst genauso zurück wie die gleichaltrige Vicky – eben jener verhängnisvolle One-Night-Stand und nun die Mutter auch seines Kindes. Langsam und widerwillig setzt sich Jonas dann aber doch mit Mutter und Kind auseinander, was ihm im Gegenzug hilft, auch mit sich selbst ins Reine zu kommen.
Obwohl auch eine Schwangerschaft im Mittelpunkt steht, geht "Away We Go" einen gänzlich anderen Weg, sich mit dem Metier auseinanderzusetzen. Fast doppelt so alt – also um die 30 – sind hier die Eltern in spe, aber ebenfalls alles andere als gut auf die neue Situation vorbereitet. Dazu kommt, dass die Eltern der werdenden Eltern auch noch das Weite suchen und nach Europa auswandern. Das veranlasst die Hauptfiguren dann dazu, zu einem wahnwitzigen Roadtrip quer durch Nordamerika aufzubrechen, um ein neues Zuhause zu finden. Mit wundervollen Dialogen und skurrilen Situationen sorgt der Regisseur von "American Beauty" wieder einmal für ein wahres Sehvergnügen.
Familienbande aus einer völlig anderen Perspektive nimmt sich "Das weiße Band" von Michael Haneke an. Das Drama, welches in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, spielt am Vorabend des ersten Weltkrieges in einem protestantischen Dorf im Norden Deutschlands. Anhand des Schul- und Kirchenchors wird hier das Bild einer Gesellschaft entworfen, in der Gehorsam und Gotteshörigkeit neben harten Bestrafungen und Doppelmoral steht und aufgrund dieser Gegensätze zu zerbrechen droht. Dass bereits damals die kindliche Unschuld nur mit körperlichen Züchtigungen und häuslicher Gewalt bewahrt werden konnte, wird im Film ebenfalls mehr als deutlich.
Einen durchweg positiveren, weil freieren und einfühlenderen Blick auf das Leben wirft Mika Kaurismäki in seinem neuen Film "Sonic Mirror". Dieser steht ganz im Zeichen des Rhythmus, des Klangs und der Musik als universelle Sprache. Mit Schlagzeug-Legende Billy Cobham reist der Zuschauer in völlig neue Musik-Traditionen und –Universen: ob nach Afrika oder nach Brasilien. Deutlich wird in jeder Minute der Dokumentation, dass Musik mehr ist als die bloße Aneinanderreihung von Tönen. Musik ist Emotion, Kommunikation und Identität. Sie dient dazu Freude auszudrücken, genauso wie Widerstand, Ambition oder Liebe – und das eben für Jedermann verständlich. Eine wunderbare Liebeserklärung an die Vibrationen des Lebens. (MS).



















































