Sie befinden sich hier: Startseite

Ausgewählte Kinostarts vom 03. September

Jeder Kinobesucher sollte heutzutage wissen, dass das Gesehene eine Inszenierung ist, eine künstlich konstruierte Geschichte (selbst wenn sie auf realen Tatsachen basieren sollte), die durch bestimmte Konventionen in uns Gefühle erzeugen will. Filmschaffende im 21. Jahrhundert verfolgen dabei die unterschiedlichsten Ansätze, um selbst aufgeklärte Besucher in ihre eigene Phantasiewelt zu entführen – ohne jedoch darauf zu verzichten, die artifizielle Machart ihrer Kunst offen zu legen.

 

Die naheliegendste und in gewisser Weise auch ehrlichste Strategie ist die dokumentarische Herangehensweise. Diese Richtung schlägt "Auf halbem Weg zum Himmel" ein. Der Film dokumentiert den Kampf guatemaltekischer Flüchtlinge für Gerechtigkeit und gegen staatliche Willkür und Gewalt. In der Gemeinde La Aurora wird zum Jubiläumsfest von der Armee ein Massaker verübt – ein weiteres in der traurigen Reihe von über 600 offiziell gezählten. Anstatt sich in blinder Wut oder Resignation zu ergehen, wählen die überlebenden Bewohner allerdings einen völlig neuen Weg, sich dagegen zur Wehr zu setzen: Sie verklagen die Regierung und ziehen mit dem Vorwurf des "Staatsverbrechens" vor Gericht.


Einen Schritt weiter in Richtung Fiktionalisierung geht Ang Lee in seinem neuen Film "Taking Woodstock". Darin wird eine reale Begebenheit, in diesem Fall das berühmte Musikfestival von 1969, als Vorlage für eine heitere Komödie genommen. Anders als viele Biopics der letzten Jahre, die sich eines behaupteten Wirklichkeitsanspruchs verpflichtet fühlten (vgl. "Walk The Line", "Der Baader-Meinhof-Komplex", "Ray" und andere), wird hier aber das Dogma der realitätsnahen Darstellung zu Gunsten einer dramaturgischen Schlüssigkeit aufgegeben. Die Vergangeheit wird hier nicht als unumstößliche, in Steingemeißelte Tatsache, sondern als lockere Vorlage für das Erblühen der eigenen Geschichte angesehen. Gott-sei-Dank möchte man da hinzufügen.


"Whiskey mit Wodka" setzt sich wiederum ganz anders mit den Produktionsverhältnissen von Filmen auseinander; nämlich indem diese kurzerhand zum Thema und Inhalt des Films gemacht werden. Das ist zwar mittlerweile eine sehr beliebte Methode das Problem der filmischen Authentizität zu thematisieren – man erinnere sich etwa an Steven Soderberghs wunderbaren Meta-Film "Full Frontal" – allerdings ist die Umsetzung in diesem Falle nicht nur durch die hervorragende Besetzung einen Kinobesuch wert. Henry Hübchen spielt darin den Schauspieler Otto Kullberg, der wegen seines Alkoholproblems ein Unsicherheitsfaktor am Filmset wird. Darum wird ein anderer Schauspieler ebenfalls mit seiner Rolle besetzt und jede Szene doppelt gedreht. Kämpfe unter Alphamännchen sind da genauso vorprogrammiert, wie Komplikationen mit Frauen. Ist die Gattin des Regisseurs doch die Filmgeliebte von Otto. An diesem Punkt trifft sich dann das Kino wieder mit der Wirklichkeit, was für gehörige Verwirrung sorgt. (MS).

Bilder-Galerie (Bild anklicken zum Vergrößern)
   
In Verbindung stehende Nachrichten:


<- Zurück zu: Startseite