Der Bundesvorsitzende der Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, sieht daher Chancen, dass der umstrittene Bahnhofsneubau "Stuttgart 21" nach den anhaltenden Protesten doch noch gekippt wird. "Die Politiker und die Bahn haben sicherlich nicht mit so viel Widerstand gerechnet. Zudem hat die CDU in Baden-Württemberg aufgrund ihrer schwindenden Mehrheiten jetzt wirklich Angst, die nächste Wahl zu verlieren.Das könnte dazu führen, dass man dieses Projekt noch mal überdenkt und auf Planungen zurückgreift, den Kopfbahnhof zu modernisieren", sagte Naumann der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe).
Eine solche Lösung wäre vor allem "im Interesse vieler Fahrgäste, denn verkehrlich bringt Stuttgart 21 überhaupt nichts, außer die Anbindung der Messe an den Fernverkehr. Aber dass Stuttgart ein international bedeutender Messestandort sein soll, das ist mir wirklich neu", sagte Naumann. Pro Bahn fordere eine Sanierung des bestehenden Kopfbahnhofs in Stuttgart. "Das reicht, man braucht keinen unterirdischen Milliardenbau. Im Gegenteil der bringt vielen Reisenden nur Nachteile." Der Bahnhof habe zwar für 10 Prozent der Reisenden, die aus den Fernverkehr kommen, Vorteile - aber für 90 Prozent Nahverkehrskunden sei er von Nachteil.
Auch für die Schnellbahnverbindung von Stuttgart nach Ulm forderte der Pro-Bahn-Chef ein neues "vernünftiges Gesamtkonzept, das Nah- und Güterverkehr mit einschließt". Auf der Neubaustrecke würden nur leichte Güterzüge fahren können, weil diese zu große Steigungen aufweise. Dabei gäbe es alternative Verbindungen über flacheres Gelände.
Eine knappe Mehrheit der Baden-Württemberger lehnt das Milliardenprojekt "Stuttgart 21" ab. Laut einer Erhebung des Forsa-Instituts im Auftrag des Magazins "Stern" antworteten 51 Prozent der Befragten auf die Frage, ob sie für das Bahnprojekt seien, mit Nein, 26 Prozent mit Ja. 23 Prozent waren unentschieden. 67 Prozent der befragten Stuttgarter waren demnach gegen den Umbau des Bahnhofs, 30 Prozent dafür und drei Prozent unentschieden. 29 Prozent der befragten Baden-Württemberger halten das Projekt als persönlich entscheidend für die Landtagswahl.
Wenn jetzt gewählt würde, könnten laut Umfrage SPD und Grüne mit jeweils 24 Prozent und damit gemeinsamen 48 Prozent der Stimmen die Regierung stellen. Die Grünen sind in der Umfrage damit doppelt so stark wie bei der Wahl 2006, als sie auf 11,7 Prozent kamen. CDU und FDP kämen zusammen auf 43 Prozent. Die CDU erreicht in der Umfrage 37 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Ergebnis von 44,2 Prozent bei der Wahl 2006. Mit sechs Prozent würde auch die FDP deutlich unter ihrem Ergebnis von damals 10,7 Prozent bleiben. Auch die SPD liegt in der Umfrage mit 24 Prozent unter ihrem Wahlergebnis von 25,2 Prozent. Die Linke käme mit vier Prozent nicht in den Landtag. Für die übrigen Parteien votierten fünf Prozent der Baden-Württemberger.
Quelle: ddp




















































