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"August Macke ganz privat"

Stade (ddp). Es scheint fast, als schaue August Macke seiner Elisabeth für einige intime Momente über die Schulter. Sein Lieblingsmodell schlafend, bei Handarbeiten, als Rückenakt. Kuratorin Ina Ewers-Schultz präsentiert das Selbstbildnis des Malers (1887-1914) bewusst exponiert als Solitär auf einer freien Wand. So "blickt" der Künstler auf die gegenüber gehängten Gemälde, Zeichnungen und Studien seiner geliebten Frau. Zugleich lädt das Porträt auf Plakat und Katalog ab Sonntag zu einer kleinen Sensation ins Kunsthaus im niedersächsischen Stade ein. Die Ausstellung "August Macke ganz privat" zeigt gut 140 Exponate, von denen die allermeisten noch nie öffentlich zu sehen waren.

 

Den Zusatz "ganz privat" trägt die Schau, weil hier nicht jene Bilder hängen, die bekannt sind von Kalendern und aus Bildbänden, die weltweit in Museen hängen. Für die Ausstellung stellten die Enkel des Künstlers ausschließlich Werke aus Familienbesitz zur Verfügung. Bei den Skizzen, Gemälden, Pastellen und Aquarellen handelt es sich denn oft auch um sehr persönliche Motive, die häufig einen intimen Blick in die Familie gewähren. Mit dem Privaten und dem Kunsthandwerklichen erschließt die Schau weitgehend unbekannte Facetten des Macke-Werks.

Damit sorgt Stade nach der aufsehenerregenden Gemeinschaftsaktion "Die Peitsche der Erinnerung", mit der Daniel Richter und Jonathan Meese 2006 als international gefragte Stars der deutschen Gegenwartsmalerei eine exklusive Sonderschau ausrichteten, jetzt erneut für Aufsehen in der Kunstwelt. Wie vor drei Jahren ist dem Kulturmanager der Stadt, Andreas Schäfer, wieder ein Kunst-Coup gelungen. Mit Unterstützung und Vermittlung des Enkels Till Macke führte er die Exponate aus dem Familienbesitz in Stade zusammen.

Schäfer nennt das Zustandekommen einen "geplanten Zufall". Während der Richter-Meese-Schau habe sich das Gespräch mit einem besonders interessierten Besucher ergeben, wie sich herausstellte der Mann einer Macke-Enkelin. Schäfers Anregung, die Werke aus dem Privatbesitz in einer Ausstellung im Kunsthaus zu vereinen, sei in der Familie auf offene Ohren gestoßen. "Eine absolute Einmaligkeit, Mackes Lebenswerk aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Diese Dichte und Komplexität wird es so wohl nicht wieder zu sehen geben", ist Schäfer überzeugt.

Die Ausstellung folgt chronologisch dem Leben des Künstlers und zeigt zahlreiche Arbeiten, die der Betrachter auf den ersten Blick nicht unbedingt mit Macke verbinden würde. Eine Caféhausszene etwa erinnert stark an den Stil Toulouse-Lautrecs, beeinflusst durch Mackes Pariser Zeit. Ebenso experimentierte er in Zeichnungen, versuchte sich erstmals in Öl, arbeitete mit reinen Farben - Stationen auf einem künstlerischen Weg zum Vertreter des deutschen Expressionismus, der darin gipfelte, dass er 1911 gemeinsam Wassily Kandinsky, Alfred Kubin und Franz Marc die Künstlergemeinschaft "Der blaue Reiter" bildete. Unterbrochen wird die Chronologie immer wieder durch Themenblöcke, darunter zu Karikaturen, Akten und abstrakten Farbstudien.

Zudem zeigt die Stader Schau eine weitere Seite an Macke: Kunstgewerbliche, kunsthandwerkliche Arbeiten, "die heute für Künstler eher einen negativen Anstrich haben, die wir aber eher schon als Design einordnen würden", sagt Ewers-Schultz. Sie seien wichtige Zeugnisse für den Umbruch Anfang des 20. Jahrhunderts, als das historistische deutsche Kunstgewerbe von ersten modernen Formen beeinflusst wurde, Vorläufern und Vorbildern des späteren Bauhausstils. So sind Arbeiten des Produktdesigns für den Alltagsgebrauch zu sehen, darunter Möbel und Dekore für Geschirr. Blickfang sind auch Wandteppiche, abstrakte Farbmusterentwürfe oder kleine Plastiken aus Holz und Bronze.

Ein Großteil der Werke widmet sich immer wieder Elisabeth, Ausdruck für die tiefe Liebe des Künstlers zu seiner Frau. Elisabeth in allen Varianten, von hinten, lesend, stickend, auf dem Balkon sitzend, schlafend, als Akt. Parallel dazu häufig die Söhne Walter und Wolfgang als weitere Lieblingsmotive. Ergänzt wird alles durch sehr persönliche Fotografien aus dem Familienleben und Briefe.

August Macke ist, als er nach nur zehn Jahren Schaffensphase 1914 in den Ersten Weltkrieg zieht und nur sechs Wochen später fällt, erst 27 Jahre alt. "Man muss sich vergegenwärtigen, wo Macke in dem Alter künstlerisch schon war und was er noch hätte leisten können", umreißt Ewers-Schultz eine Erkenntnis aus der Stader Schau.

(kunsthaus-stade.de)

ddp

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