"Man weiß überhaupt nicht, wer dort gelebt hat", sagte der Direktor des Martin-Gropius-Baus, Gereon Sievernich, am Mittwoch. Die Forschungen in Teotihuacan gehörten zu den "sensationellsten Grabungsprojekten weltweit". Der Generaldirektor des Instituto Nacional de Antropologia e Historia (INAH), Alfonso de Maria y Campos, sagte, einige Exponate kämen direkt von den Ausgrabungen und seien auch in Mexiko noch nicht ausgestellt worden.
Teotihuacan mit seinen Pyramiden, Tempeln und Palästen war berühmt für seine symbolreichen bunten Wandmalereien. In Berlin sind 15 großformatige Fragmente von Wandgemälden ausgestellt. Die Fragmente durften das erste und vermutlich letzte Mal ins Ausland reisen. Daneben werden zum Beispiel Säulenfragmente von der Treppe der Sonnenpyramide, Götterstatuen, Räuchergefäße für rituelle Praktiken und Grabbeigaben präsentiert. Die Bewohner Teotihuacans galten als hervorragende Künstler.
Teotihuacan liegt knapp 50 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt und ist seit 1987 UNESCO-Welterbe. Die Stadt war durch breite Straßen gegliedert, verfügte über Abwassersystem und Wasserversorgung. Es gab öffentliche Gebäude, Verwaltungsbauten und Wohnviertel. Die wichtigsten Pyramiden sind die 63 Meter hohe Sonnenpyramide und die 48 Meter hohe Mondpyramide.
Als die Azteken im 14. Jahrhundert die inzwischen verlassene Ruinenstadt entdeckten, gaben sie ihr den Namen Teotihuacan ("der Ort, an dem die Menschen zu Göttern werden"). Das Ende der Pyramidenstadt ist bis heute rätselhaft und wurde begleitet von einem verheerenden Brand. Möglicherweise war die Zerstörung die Folge einer Invasion oder eines inneren Aufruhrs.
Archäologen fanden Begräbnisse und Opfergaben, die zeigen, dass Kriege, Gefangennahmen und Opferungen zum Alltag in Teotihuacan gehörten. Auch weiß man, dass die Handelsstadt Teotihuacan eine große Waffenschmiede war. Über Herrschaftssystem und -persönlichkeiten ist jedoch bis heute nichts bekannt. Auch die Namen der Götter, die in Teotihuacan verehrt wurden, sind unbekannt. Zwar wird Teotihuacan seit einem Jahrhundert wissenschaftlich erforscht, doch bis heute sind 95 Prozent der Ruinen noch nicht ausgegraben.
Teotihuacan ist für die Mexikaner noch immer ein wichtiges Symbol. Zur Sonnenwende kommen jedes Jahr mehr als 500 000 Menschen dorthin. Das Gebiet gehört zudem zu den bekanntesten Tourismuszielen Mexikos. Der Martin-Gropius-Bau würdigt mit den Ausstellungen "Frida Kahlo - Retrospektive" und "Teotihuacan - Mexikos geheimnisvolle Pyramidenstadt" die 200-Jahr-Feier der mexikanischen Unabhängigkeitsbewegung und das Jubiläum der Mexikanischen Revolution vor 100 Jahren.
(ddp)
Teotihuacan - die geheimnisvolle Pyramidenstadt
Berlin. Bereits rund 1000 Jahre vor den Azteken gab es in Mexiko eine kulturelle und wirtschaftliche "Supermacht": den 22 Quadratkilometer großen Stadtstaat Teotihuacan mit rund 160 000 Einwohnern. Die geheimnisvolle Pyramidenstadt war zwischen 100 vor Christus bis 650 nach Christus die einflussreichste Metropole auf dem amerikanischen Kontinent. Ab Donnerstag (1. Juli) ist Teotihuacan bis 10. Oktober Thema einer Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin. Mehr als 450 Objekte geben erstmals in Europa einen umfassenden Einblick in Kunst, Alltag und Religion dieser rätselhaften Kultur.
30.06.10 -




















































