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Hamburger Bürokratie verhindert Innovationen

Eine faszinierende Vision des zukünftigen Lebens: Auf einer schwimmenden Stadt im Hafen von Hamburg, unabhängig vom Strom- Wasser- und Entsorgungsnetzwerk. Zu schön um wahr zu sein? Tatsächlich - aber nicht, weil es technisch nicht realisierbar ist, sondern weil die Hamburger Behörden dem Projekt "Green City" immer wieder Steine in den Weg legen. Steckt dahinter die Energie-Lobby? Stefan Tomczak, der Geschäftsführer des Projekts, äußert sich gegenüber der "Freien Allgemeinen".

 

 

Stehen wir von einem Globalen Problem der Energieversorgung und Energiebeschaffung?

 

Nein, wir stehen vor einem „Kartell-Problem“ der Energieriesen, die uns alternative Energieversorgung und dementsprechende Systeme schlicht verweigern, weil die natürlich sehr viel Geld verdienen, in dem sie ihre Strukturen so halten wie sie jetzt sind, das heißt zentral gebündelt.  Die Macht liegt in einer Hand und man lässt von außen nichts mehr zu.

 

Aber die Energie ist da. Wir haben 160 % Energieüberschuss allein an der Energie, die uns so zur Verfügung steht, ohne dass wir Gas, Öl oder Kohle verfeuern. Darum kann man hier nicht von einem Mangel an Energie reden, sondern die Nutzung, das Zulassen dieser Energie, das ist das Problem, vor dem wir stehen.

Sie sagen „die Kartelle“. Welche Rolle spielen die Energiekartelle im Bezug auf diese neue Energie?

 

Den Kartellen gehören die Netze, den Kartellen gehören die Kraftwerke, und es gehören ihnen auch noch die Börsen, an denen Strom gehandelt wird. Ferner haben sie Einfluss auf die Regierung, wo sie sehr deutlich machen, was gewünscht und was nicht gewünscht ist, wobei sie tatsächlich den Ausdruck „gewünscht“ verwenden. Die Lobbyarbeit der großen Energiekonzerne  ist so stark, dass sie damit den gesamten Markt steuern können.

Bedeutet das: wenn jemand eine neue Technologie entwickelt, die effizienter sein kann, wird er dort ausgebremst?

 

Zum Teil ja, zum Teil nein. Das kommt immer darauf an, was der Energieversorger gerade möchte.  Auch  ein Energiegigant lebt gut von den erneuerbaren Energien, da er schlicht eine Umlage berechnet, die jeder von uns auf seiner Stromrechnung sehen kann. Das ist unten ein ganz kleiner Satz: „Umlage für erneuerbare Energien“. Den meisten ist gar nicht bewusst, dass diese Umlage auf die gesamte produzierte Strommenge gerechnet wird – also auch auf Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken. Das freut den Energieversorger solange der Anteil der erneuerbaren Energien in einem Bereich ist, das für ihn gut ist. Er will nicht zu viel davon, aber dafür die gesamte Umlage.

Sie haben ja versucht, diese Macht der Kartelle umgehen. Sie haben ein eigenes Holzgas-Kraftwerk entwickelt, das als autarke Energiequelle fungieren soll für eine schwimmende Stadt aus Hausbooten im Hamburger Hafen – das vieldiskutierte Projekt „Green City“. Doch die Hamburger Behörden bremsen dieses Projekt, wo sie können – gerade als solle nicht bekannt werden, dass sich Umweltfreundlichkeit, Effizienz und Luxus-Ambiente keineswegs ausschließen. Was genau sind die Probleme, die ihnen hier begegnen?

 

Unsere Probleme bestehen in reiner Papierform. Technisch haben wir alle Herausforderungen längst gemeistert. Doch ein Antrag jagt den nächsten, eine Genehmigungsbehörde schiebt es der nächsten Genehmigungsbehörde zu, so dass man gar nicht weiß, in welchem Schritt man gerade steckt. Wenn man alle Auflagen erfüllt hat, die gestellt wurden, bedeutet das noch lange kein grünes Licht, weil jedes Mal neue Auflagen gestellt werden, die uns dann Probleme bereiten, weil man zuvor nichts davon wusste. Das macht uns natürlich das Leben immens schwierig. Ein weiteres großes Problem ist die Grauzone, in der wir uns bewegen, wo vieles im Ermessenspielraum des jeweiligen Amtes liegt.

Seit wann versuchen Sie denn, die Anträge durchzubekommen?

 

Wir bemühen uns mittlerweile seit einem geschlagenen Jahr darum. Währenddessen liegen sämtlichen Ressourcen brach und das kostet uns natürlich immens viel Geld.

Wenn es ihnen tatsächlich dann gelingt, den Hamburger Amtsschimmel zu zähmen und die Anträge durchzubekommen, wie können wir uns dann „Green City“ vorstellen? Was ist das für eine Vision, die sie dort verwirklichen wollen?

 

„Green City“ ist eine schwimmende Stadt aus lauter Einfamilienhäusern, im Bereich von  120 - 200 Quadratmetern, die eine eigene Wasseraufbereitung haben und damit keine Frischwasserzufuhr von außen brauchen. Wärme, Kühlung und Elektrizität wird von dem zentralen Holgaskraftwerk geliefert.  Auch die Rest- und Müllstoffe werden wieder in dieser Anlage verwertet - abgesehen natürlich von dem, was recycelt wird. Das heißt im Klartext: Wenn rings umher die gesamte Infrastruktur zusammenbrechen würde, hätte man dort noch Strom, Wärme und Wasser.

Können sie sich erklären, warum das blockiert wird, warum es ganz offensichtlich unerwünscht ist?

 

Nun, es ist unerwünscht, weil wenn einem es gelingt, das Leben auf dem Wasser in völliger Unabhängigkeit von den Stromgiganten zu ermöglichen, andere das sicherlich auch haben wollen. Dieses Beispiel könnte Schule machen, und das ist sicherlich das Letzte, was die Energiekartelle wollen.

Herr Tomczak, wir danken ihnen für dieses Gespräch und wünschen ihnen und ihrem faszinierenden Projekt alles Gute für die Zukunft.

 

(Hinweis: Das volle Interview mit Herrn Tomczak und anderen Energie-Innovatoren finden sie unter www.nextworld.tv)

Bilder-Galerie (Bild anklicken zum Vergrößern)
 


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Im Interview