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"Stuttgart 21": Die Bagger rollen zum Abriss

Stuttgart (ddp). Die Bauarbeiten für das umstrittene Bahnprojekt "Stuttgart 21" gehen trotz massiver Proteste weiter. Am Freitagmorgen begann ein Bagger am Stuttgarter Hauptbahnhof damit, die Außenwand des Nordflügels abzutragen. Schon am frühen Morgen fanden sich Demonstranten ein und versuchten, die Zufahrt der Baufahrzeuge zu verhindern. Die Polizei musste vier Aktivisten wegtragen. Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) zeigte sich unbeeindruckt von den Protesten und forderte die Gegner auf, sich an der Gestaltung des neuen Hauptbahnhofs zu beteiligen.

 

Kurz vor 6.00 Uhr rollten der erste Bagger und Lkw auf das seit Anfang August eingezäunte Gelände am Nordflügel. Ein 37 Jahre alter Mann und drei Frauen im Alter zwischen 28 und 53 Jahren versuchten, diese aufzuhalten. Sie wurden schließlich von der Polizei weggetragen. Die vier Personen müssten mit einer Anzeige wegen des Verdachts der Nötigung rechnen, sagte ein Polizeisprecher.

Am Freitag wurde zunächst ein Vordach abgetragen. Kurz nach 7.00 Uhr entfernte der Bagger Holzelemente und Stahlträger aus der Konstruktion. Wie das Kommunikationsbüro des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm ankündigte, werden Bagger nun Schritt für Schritt die Mauern des Flügels abtragen. Das Gebäude werde stufenweise bis auf das Niveau der Kellerdecke zurückgebaut. Für den gesamten Rückbau seien zweieinhalb bis drei Monate geplant. Bereits Anfang August war mit dem Rückbau des Nordflügels im Inneren des Gebäudes begonnen worden.

Im morgendlichen Berufsverkehr fanden sich einige Demonstranten ein, auch Schaulustige blieben stehen und zückten ihre Digital- oder Handykameras. Mit Trillerpfeifen und Tröten machten sie ihrem Unmut Luft, zudem schlugen sie während der Arbeiten lautstark mit Kunststoff- und Holzstangen auf den Bauzaun. Eine Demonstrantin betonte, dass der Widerstand dadurch nicht weniger werde, dass durch den Abriss nun Fakten geschaffen würden. Vielmehr rechnen die Gegner damit, noch mehr Zulauf zu bekommen.

So eilte eine 43-jährige Angestellte aus dem Stadtteil Degerloch Hals über Kopf zum Bahnhof, nachdem sie gehört hatte, dass ein Bagger aufgefahren sei. Zum Haaretrocknen war sie nicht mehr gekommen. In einem schicken Kostüm und mit nassen Haaren stand die Frau am Bauzaun und schlug mit einer Kunststoffstange auf das Gitter. Dazu skandierten die Frau und ein Dutzend weiterer Demonstranten: "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Bahnhof klaut!"

Oberbürgermeister Schuster zeigte sich unbeeindruckt von den Protesten und forderte die Demonstranten auf, die Fakten zur Kenntnis zu nehmen. Deshalb lohne es sich, "darüber nachzudenken, was wir als Stadt in dieser Erweiterung unserer Innenstadt machen". Die Bürger sollten dies gemeinsam angehen und gestalten. Ein Moratorium für das umstrittene Bahnprojekt lehnte er strikt ab.

Bei dem Projekt "Stuttgart 21" wird der Hauptbahnhof vom Kopf- zum Durchgangsbahnhof umgestaltet, unter die Erde verlegt und der Flughafen an das Schienennetz angebunden. Ursprünglich war das Projekt mit Kosten in Höhe von rund 4,1 Milliarden Euro veranschlagt worden. Erst kürzlich verkündeten die Projektpartner jedoch eine Kostensteigerung bei der Neubaustrecke Ulm-Wendlingen um 865 Millionen Euro.

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