Wie kamen Sie dazu, LSD zu nehmen?
Ich habe mir schon bevor LSD in mein Leben kam Gedanken über das Leben gemacht, philosophische Ansätze, Bücher gelesen über die Liebe oder die Zusammenhänge von der Welt in uns und der Welt außerhalb. Und dann hatte ich auf einem der ersten „Trips“ tatsächlich dieses Gefühl: „Ach, das ist es! Davon haben die alle geredet, davon handeln all diese Bücher, diese Bilder, das ist das Geheimnis dieser Welt, über die dort berichtet wurde.
Wie würden Sie die Wirkung von LSD beschreiben?
Ich denke man kann in der Theorie sehr viel über LSD aussagen, aber seine Wirkung, diese Auflösung der Filter, dieses Fallenlassen, diese veränderte Realität, die eben nicht als Rausch empfunden wird, ist nicht zu beschreiben. Es ist die Frage, wer so eine Beschreibung hört. Ist es jemand, der schon einmal LSD konsumiert hat oder jemand, der es für einen Rausch hält und mit Drogen vergleicht wie Alkohol oder Tabak. Vergesst es! Es hat überhaupt nichts damit zu tun. Wenn Du eine LSD-Erlebnis hast, einen Trip - was für eine treffende Bezeichnung, was einem auch erst in dem
Moment klar wird – begreifst du, dass das was du siehst, was du empfindest und erlebst keine Halluzination ist, sondern dass das was du bisher gesehen hast die Halluzination ist. Das unterscheidet LSD ganz grundlegend von anderen „Drogen“.
Was denken Sie über die Gefahren der Einnahme von LSD?
Ich sehe diese Gefahr oder Bedrohung, die von diesem Material ausgeht „für die Kinder“ als nicht gegeben, denn man nimmt keine Trips am Wochenende in der Disco - vielleicht eher schlechte Pillen. Generell nimmt man LSD, wenn das Setting stimmt, wenn das Umfeld stimmt, wenn man bereit dazu ist.
Es gibt vielleicht vier, fünf Gelegenheiten - das ist individuell verschieden - also Momente im Leben, wo Du Dich bereit dazu fühlst, diese Erfahrung zu machen, nach dem du das erste Mal erlebt und verstanden hast, um was es da eigentlich geht. Es ist nichts, auf dem Du jedes Wochenende abfahren willst, damit ist es nicht zu vergleichen. Darum sehe ich LSD nicht als Droge in dem Sinn, wie es von unserer Gesellschaft definiert wird.
Wobei ich auch da kurz noch einmal hinzufügen möchte, dass es schon immer ein Teil unserer Existenz war, unser Bewusstsein in irgendeiner Form zu verändern - beispielsweise bei Ritualen, bei denen junge Menschen in den Stammeskreis aufgenommen wurden.
In unserer heutigen Gesellschaft haben wir diese Rituale verloren. Der Wunsch aber bleibt, sein Bewusstsein zu verändern, Türen aufzustoßen, andere Positionen einzunehmen außerhalb seiner gewohnten Sichtweise. Da entsteht nun aber die Schwierigkeit, dass wir die Stoffe, die uns dabei helfen, nur illegal „verschrieben bekommen“. Damit entsteht die Problematik mit unreinen Substanzen, mit der Straffälligkeit und so weiter.
Wie hat sich die Einnahme von LSD auf Ihre Musik ausgewirkt?
Ich würde sagen das Lied „Ein Tag am Meer“, das Michi und ich geschrieben haben, ist ein wunderbarer Song, der von LSD handelt. Man kann ihn aber auch ganz anders verstehen, und man versteht ihn dann auch richtig, denn er handelt vom Leben im Augenblick, von dem Wunder dessen, was in jedem Augenblick passiert, von der unglaublichen Vielfältigkeit und gleichzeitigen Einheit dessen, was hier auf der Welt passiert. Ein paar schlaue Füchse da draußen meinen, wenn ich singe „Du spürst das Gras…“ ginge es dabei ums Kiffen. Leute, da seid ihr so auf dem Holzweg. Ich hatte meinen nackten Fuß im Gras und habe das gespürt, genau wie ich es im Lied sage. Das Wunder ist in diesem Moment existent. Weil du beim Spüren dieses Grases bemerkst, dass jeder Grashalm anders ist, jedes Sandkorn, das ihn umgibt. Nichts ist so wie das andere, alles ist absolut individuell und dennoch Teil des Ganzen. Das ist meiner Meinung nach Teil dieser großen Wahrheit oder Weisheit, oder Teil eines Weges zur Erleuchtung: zu begreifen, wie die Welt zu erfassen – oder besser: wie sie nicht zu erfassen ist, weil sich alles darin wiederfindet, vom Besten bis zum Schlimmsten deiner Vorstellung.
Und solch ein Augenblick der Aufhebung der Raum-Zeit-Wahrnehmung hilft dir sehr, zu verstehen dass du nicht getrennt bist von den Dingen um dich. Es gab auch schon früher große Männer, die - ohne „Acid“ - gesagt haben dass diese Trennung, diese Dualität eine Illusion ist, die wir verstandsmäßig konstruieren, um in dieser Welt irgendwie klarzukommen. Eben das ist die Täuschung. Die Wahrheit ist nach wie vor, dass wir alle eines sind. Das ist etwas, das dir auf einem guten Trip sehr klar wird. Das ist nahe an der Erleuchtung. Das kann die Erleuchtung sein.
Aber doch nicht die dauerhafte Erleuchtung? Was bleibt von solch einem psychedelischen Erlebnis?
Man hat doch eine emotional sehr starke Erinnerung. Ein Teil des eigenen Bewusstseins erinnert sich ein Leben lang an dieses Erlebnis, an den Zauber dieser Form der Realität und des Seins. Das ist schon ein kräftiger Motor, der einer Reinigung gleich kommt. Natürlich kann das auch nach hinten losgehen. Wir wissen alle: es gibt auch schlechte Trips. Und das macht dann gar keinen Spaß. Darum - muss ich immer wieder sagen - das Setting und die Umgebung muss stimmen. Du solltest am besten jemand haben, der sich damit auskennt, so dass du nicht schlecht draufkommst, denn das kann auch passieren. Sollte aber nicht passieren…
Aber was hilft einem die Erkenntnis, die LSD vermittelt? Was ändert es an der eigenen Wahrnehmung?
Man denkt ja immer, man könnte nichts ändern in der Welt. Aber dadurch, was du einkaufst, wofür du dein Geld ausgibst, wo du hingehst, was du unterstützt, was du annimmst und was du ablehnst – dadurch erschaffst du diese Welt. Und das nicht nur auf Acid, sondern jeden Tag deines Lebens.
Und das ist auch die große Herausforderung nach dem Trip: wie viel davon setzt du in die Tat um? Ich erinnere mich, wie ich mit Michi auf dieser Insel war. Nach der Phase der Verwirrtheit kommt eine Phase der Körperlichkeit und du fühlst dich wie neu geboren in diesem Körper. Du weißt: Das ist dein Körper, in dem lebst Du auf dieser Welt! Wie kann ich mir da am nächsten Tag wieder Junkfood reinziehen oder nie mehr trainieren, wo ich doch in diesem Moment gespürt habe, wie das Blut durch meine Adern rinnt, wie dieser Sauerstoffaustausch funktioniert. Was es bedeutet, zu atmen, zu leben, zu riechen, zu schmecken zu sehen. Und mit diesem wunderbaren Körper zwei Tage später wieder das selbe Schindluder zu treiben wie zuvor – dann hast du natürlich nichts gelernt.
Aber dieses Material kann ein großer Lehrmeister sein, weil das Erlebnis so intensiv ist, dass man - Gottseidank! - das eine oder andere mit hinüber nimmt und somit auch in der „Normalität“ sein Bewusstsein vielleicht so verändert, so erweitert hat, dass man sich sonst nicht ergründbarer Zusammenhänge bewusst wird.
Das geht doch sicherlich auch ohne Drogen?
Selbstverständlich müsst ihr dafür nichts nehmen, Leute. Ihr müsst euch nur eure eigenen Gedanken machen und nicht das, was wir alle in der Kinderstube mitbekommen haben, die ganzen Regeln und Gesetze blind als Realität annehmen, sondern einfach nur selbst denken – und den guten Humor nicht verlieren.
(Hinweis: Das volle Interview finden Sie auf www.nexworld.tv)




















































