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Sport, Lifestyle

Mini-Skateboards sind mehr als Kinderspielzeug

Berlin (ddp-Korrespondentin Carolin Bauer). Früher hatte Timo Kranz immer ein Mini-Skateboard in seiner Hosentasche. Beim Arzt im Wartezimmer oder auf Ämtern übte der leidenschaftliche Skater mit dem sogenannten Fingerboard seine Tricks. Mittlerweile ist er 32 Jahre alt, und seine Knie sind vom Skaten so geschunden, dass er nur noch Fingerboard fährt. Im Mai wurde er zum besten Fingerboarder der Welt gekrönt: «Das ist mein Skateboardersatz.» Die Fingerboard-Szene in Deutschland wächst. Das Skaten mit der Hand auf speziellen Mini-Rampen oder -Treppen wird bei Kindern und Jugendlichen immer beliebter.

 

»Immer mehr Kids lernen das und bleiben dabei«, stellt Martin Ehrenberger, Geschäftsführer des fränkischen Skate-Ausstatters +blackriver-ramps+, fest. Seine Firma organisiert die Weltmeisterschaft im fränkischen Schwarzenbach an der Saale. Die Zahl der angemeldeten Skater ist deutlich gestiegen. Im Mai hatten sich bei dem Wettbewerb fast 140 Fingerboarder aus elf Nationen gemessen, sagt Ehrenberger. 2008 waren es dagegen nur 80 Skater.

Fingerboarden ist nicht nur preisgünstiger als das Original. Auch Verletzungen sind in der Miniaturwelt im Gegensatz zum herkömmlichen Skaten selten. «Man kann die Sprünge und alle Tricks nachmachen, die es auch beim Skaten gibt», beschreibt Skater und Fingerboarder Martin Winkler weitere Vorteile. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich mit den etwa zehn Zentimeter großen und drei Zentimeter breiten Mini-Boards. Im Oktober erscheint im Riva-Verlag für alle neugierigen Fingerakrobaten sein Buch «Fingerboarding. Alles über das Skaten mit der Hand».

Mit dem Ratgeber könnten «auch totale Neuanfänger« etwas anfangen. Es werden Grundbegriffe und verschiedene Sprünge erklärt. Tricksequenzen zeigen die Positionen der Finger. «Fingerboarding läuft schneller als Skatetricks», sagt Winkler. Die Fotos seien hilfreich, da die Sprünge mit dem bloßen Auge zunächst schwer nachzuvollziehen seien.

Fingerboarden kommt aus den USA. »Als Pionier gilt Lance Mountain, der mit zwei weiteren Skatern 1978 aus Spielzeugautoachsen die Fingerboards gebaut hat«, sagt Winkler. Publik sei es Mitte der 1980er Jahre geworden, als Mountain in dem Skatevideo «Future Primitives» eine Minute in einem Waschbecken fuhr. Dabei hatte unter anderen Skate-Profi Tony Hawk zugeschaut.

Auch wenn der Trend erst in den 1990ern kommerziell in Deutschland ankam, scheinen die deutschen Fingerboarder zum Vorbild für die Amerikaner geworden zu sein. »Wir haben schon eine viel intensivere und lebendigere Szene«, sagt Kranz, der bei der WM auch US-Amerikaner aus dem Rennen geworfen hat.

Fingerboarden werde zudem immer professioneller. Zwar seien noch die Plastikmodelle auf dem Markt. »Mittlerweile gibt es aber auch Boards, die den Großen preislich gleichgestellt sind«, sagt Kranz, der seit vielen Jahren in Berlin lebt. Ein Einsteigerset ist bereits unter zehn Euro zu haben. Professionelle Boards aus Holz können fast 100 Euro kosten.

Die meisten Fingerboarder werden über das Skateboardfahren auf die Mini-Bretter aufmerksam. «Ich kenne nur wenige, die nicht Skaten und Fingerboarden», sagt Winkler. Manche belächelten es als »Kinderspielzeug». Doch «man muss die Geschicklichkeit und den Stil anerkennen». Auch Kranz kennt Skater, die sich über das Fahren mit den Fingern lustig machen. Größtenteils werde es jedoch akzeptiert, sagt er.

Kranz hat noch ein Einsteigermodell aus Plastik an der Wand hängen. «Die gab es bei uns an der Tankstelle. Jeder hatte eines, keiner wusste warum», erinnert er sich. Zunächst seien die Fingerboards als Schlüsselanhänger konzipiert gewesen. Während seiner Schulzeit sei er am «extremsten» gewesen und habe ständig mit ihnen gespielt. «Ich glaube, es liegen sogar noch zwei beim Direx.»

Bilder-Galerie (Bild anklicken zum Vergrößern)
 


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