Um die wachsenden Finanzlücken im Gesundheitssystem zu schließen, plant Rösler neben Beitragserhöhungen Milliardeneinsparungen bei Ärzten, Krankenhäusern, Arzneimitteln und Kassen. Den Allgemeinmedizinern will der Minister die Vergütung bei den sogenannten Hausarztverträgen begrenzen.
Solche Verträge müssen die Krankenkassen seit 2009 mit dem Hausarztverband abschließen. Patienten, die daran teilnehmen, verpflichten sich im Krankheitsfall, zuerst zu ihrem Hausarzt zu gehen. Dieser überweist sie dann - falls nötig - weiter an einen Facharzt. Das soll überflüssige Kosten vermeiden. Die Hausärzte wiederum werden für die Mehrarbeit besser honoriert als durch das herkömmliche System der Kassenärztlichen Vereinigungen.
Rösler will diese Vergütungsunterschiede aufheben. Eine Sprecherin des Ministers stellte klar, die bestehenden Hausärzteverträge hätten Bestandsschutz. Für die neuen Verträge sollten die Konditionen aber an das herkömmliche System angeglichen werden.
Der Deutsche Hausärzteverband versteht das als "Kampfansage". Ohne den finanziellen Anreiz seien die Verträge praktisch hinfällig. Die Vereinbarungen seien für einige Praxen, gerade auf dem Land, jedoch die "wirtschaftliche Rettung".
Am weitesten verbreitet sind die Hausarztverträge in Bayern und Baden-Württemberg. Die dortigen Vereinbarungen sollen nicht angetastet werden. So gaben sich die bayerischen Hausärzte zunächst beschwichtigt und sagten am Freitag eine Protestveranstaltung gegen Röslers Pläne kurzfristig ab. Auch anderswo gibt es bereits Hausarztverträge, in vielen Fällen laufen aber noch Verhandlungen und Schiedsverfahren. Dass für diese künftig ein niedrigeres Vergütungsniveau gilt, will der Hausärzteverband verhindern.
"Es wird ein sehr unruhiger Sommer", hieß es aus dem Verband. Der Unmut bei den Medizinern sei groß. Teil des Protestplans ist es, ohne Rücksicht auf die Finanzen verstärkt Untersuchungen und Überweisungen anzuordnen. Die Mediziner wollen mit der Aktion demonstrativ auf ihre eigentliche Rolle als sparsame "Lotsen" im Gesundheitssystem hinweisen. Ein funktionierendes Hausarzt-System helfe, Geld zu sparen, argumentieren sie. Gingen Patienten dagegen immer gleich zu Fachärzten, stiegen die Ausgaben.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen reagierte empört. Der Kampf um mehr Geld dürfe nicht zu Lasten der Patienten gehen, sagte Sprecher Florian Lanz, "nichts anderes ist es, wenn im Rahmen einer politischen Aktion Patienten nicht behandelt, sondern von Arzt zu Arzt weiter geschickt werden." Es sei "nur schwer vorstellbar", dass Ärztevertreter dies wirklich vorhätten.
Mehrere Ärztefunktionäre, unter anderem der Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands (NAV-Virchow-Bund), bekundeten uneingeschränkte Solidarität mit dem Hausärzteverband. Die Vergütungspläne seien "schockierend". Der Bestandsschutz für bereits geschlossene Verträge nutze Ärzten in anderen Regionen gar nichts.
Wenn Rösler nicht einlenkt, wollen die Hausärzte aus Protest auch ihre Praxen vorübergehend schließen. Dieser Schritt stehe aber "am Ende der Eskalationsskala", hieß es im Hausärzteverband. Solche Aktionen seien "frühestens im Herbst" zu erwarten, falls die Politik ihren Kurs nicht ändere.
(ddp)
Rebellion der Hausärzte
Berlin. Die Hausärzte rebellieren gegen die Pläne von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Nach der Drohung mit Praxisschließungen kündigten die Hausärzte am Freitag weitere Proteste an. Hintergrund ist ein Streit um die Medizinerhonorare. Unter anderem wollen die Hausärzte nun Patienten verstärkt zu Spezialisten schicken und alle Untersuchungen anordnen, die eine Diagnose möglich macht. Dies dürfte deutliche Mehrkosten verursachen. Die Krankenkassen kritisierten das Vorhaben und appellierten an die Ärzte, ihren Kampf um höhere Honorare nicht auf dem Rücken der Patienten auszutragen.
16.07.10 -

















































