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Ausgewählte Kinostarts vom 10. September

Geneigte Cineasten werden sich in nächster Zeit wohl mit großen Fragen herumschlagen müssen, wenn sie die Lichtspielhäuser verlassen. Fragen wie "Was ist der göttliche Plan?", "Gibt es außerirdisches Leben und falls ja, wie geht die Menschheit damit um?" oder "Was ist mir wichtig: Erfolg oder Ehrlichkeit? Gerechtigkeit oder das eigene Leben?"

 

Hans-Christian Schmid beantwortet in seinem neuen Film "Sturm" die letzte Frage uneigennützig mit: Gerechtigkeit. Beleuchtet wird die Geschichte einer Anklägerin beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, die einem ehemaligen Befehlshaber der jugoslawischen Volksarmee, Goran Duric, den Prozess machen soll. Auf der Suche nach einem Augenzeugen reist die Juristin Maynard nach Sarajevo und wird bald in die gefährlichen Machenschaften der Vereinten Nationen verstrickt. Selbst bei der UN gibt es nämlich eine Diskrepanz zwischen internen politischen Interessen und dem eigenen Anspruch auf Unabhängigkeit.


Ebenfalls um Verbrechen sowohl in der Politik als auch am eigenen Volk geht es in "Berlin 36", genauer um die Olympiade in der damaligen Reichshauptstadt. Auf Druck der USA wird eine Jüdin in den deutschen Kader aufgenommen, die aber in ihrer Disziplin (Hochsprung) gefälligst nicht zu siegen hat. Denn was für eine Niederlage wäre das für die Sage der Überlegenheit der deutschen Herrenrasse? Also schickt der Reichssportführer eine neue Konkurrentin ins Rennen, um die jüdische Gretel Bergmann zu übertrumpfen. Damit, dass die Konkurrentinnen sich verbrüdern bzw. verschwestern könnten, rechnet die nationalsozialistische Führung aber nicht. Und ganz nebenher thematisiert der Film Geschlechterrollen im Leistungssport.


Vom Sportskandal zum Filmskandal: Mit seinem neuen Streifen "Antichrist" überschreitet Lars von Trier mal wieder die Grenze des guten Geschmacks – oder besser die Grenze des moralischen Konsens, denn der Film wirft die Frage auf, ob nicht Gott, sondern der Teufel die Welt erschaffen haben könnte. Bereits bei der Premiere in Cannes machte der Däne sich damit nicht gerade Freunde. Charlotte Gainsbourg bekam für ihre Darstellung einer verletzten und verletzlichen Ehefrau, die in einer Waldhütte (programmatisch "Eden" genannt) versucht, ihr Leben wieder unter Kontrolle zu bringen, trotzdem den Darsteller-Preis.


Von Cannes nach Hollywood, vom Autorenkino eines von Trier zum Blockbuster-Kino eines Peter Jackson. "District 9" wurde von Jackson produziert und kann zumindest mit einer spannenden Ausgangsfrage aufwarten: Was wäre, wenn Außerirdische uns nicht besuchen, um uns zu unterjochen oder in eine bessere Zukunft führen wollen, sondern weil sie Vertriebene und Flüchtlinge wären? Klar, die Menschheit steckt sie in eine Art Asylantenheim für Aliens. Leider verliert der Film schnell den Bezug zu dieser philosophischen Ebene und ergeht sich in außerirdische Waffentechnik, Aufstand der Unterdrückten und Machtgeilheit sowie Profitgier der Unterdrücker. Naja, ist eben Hollywood… (MS).

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