"Was Physiologie und Stoffwechsel betrifft, hat der Übergang zu dem der echten Vögel erst Millionen Jahre nach dem Archaeopteryx stattgefunden", schließt Greg Erickson von der Florida State University in Tallahassee. Im Fachmagazin "PlosOne" (Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1371/journal.pone.0007390) veröffentlichte das Team um Erickson seine Forschungsergebnisse.
Erst zehn Exemplare des Achaeopteryx, der vor rund 150 Millionen Jahren lebte, wurden Weltweit gefunden. Deshalb würden Knochenuntersuchungen laut Greg Erickson als geradezu blasphemisch betrachtet und seien bislang die Ausnahme geblieben. Die Forscher erhielten dennoch die Erlaubnis, winzige Proben aus einem Exemplar der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie zu entnehmen. Diese untersuchten sie mit Hilfe eines Polarisationsmikroskops und kamen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die Knochen waren sehr dicht, parallelfaserig und nur spärlich mit Blutgefäßen durchzogen - fast wie bei einer Eidechse.
Die Wissenschaftler legten daraufhin auch Knochen nahe verwandter Saurier wie Velociraptor und Deinonychosaurier unter das Mikroskop. Auch Proben zweier weiterer Urvögel - Jeholornis prima und Sapeornis chaoyangensis, die 30 bis 40 Millionen Jahre später lebten - nahmen sie genauer unter die Lupe. Beim Vergleich mit den Knochen des Archaeopteryx und denen heutiger Vögel kamen sie zu dem Schluss, dass sich die Entwicklung des Urvogels deutlich von der heute lebender Vögel unterschieden haben muss.
Nach Angabend er Forscher benötigte der etwa rabengroße Archaeopteryx etwa 970 Tage, also mehr als zweieinhalb Jahre, bis er voll entwickelt war. Gleichgroße heute lebende Vögel hingegen bräuchten dazu nur acht bis neun Wochen. "Die maximale Wachstumsgeschwindigkeit des Archaeopteryx gleicht denen der Dinosaurier und ist damit dreimal langsamer als die lebender Vögel und viermal schneller als die heute existierender Reptilien", erläutert Greg Erickson. Auch wenn damit der Abstand zwischen Archaeopteryx und echten Vögeln größer sei als bisher angenommen, ist der Forscher nicht enttäuscht, denn das zeige immerhin: "Vogelflug war auch mit der Physiologie eines Sauriers möglich."



















































