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Das Leben mit einem künstlichen Herzen

Hannover (dapd). Es begann mit leichter Atemnot beim Treppensteigen und schneller Erschöpfung bei leichter Anstrengung. Irgendwann kippte Nino Wolfram dann im Badezimmer um. Er war damals 21. Seine Diagnose: Herzschwäche. Ein Kunstherz hilft dem heute 26-Jährigen und zwei weiteren Patienten der Medizinischen Hochschule Hannover nun schon seit fünf Jahren. Das ist europaweiter Rekord. Nur zwei Patienten in den USA leben schon ähnlich lange mit einem künstlichen Herzen. Professor Martin Strüber, stellvertretender Ärztlicher Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, konnte damals nur hoffen, dass das Pilotprojekt so erfolgreich wird.

 

Für Nico Wolfram gab es damals keine Alternative zu einem künstlichen Herzen. Dem Mann aus Oschersleben in Sachsen-Anhalt ging es rapide schlechter. Ein Spenderherz war nicht verfügbar, die Warteliste war lang. Zunächst war die kleine Pumpe als Überbrückungssystem gedacht, zeigte aber, dass auch eine langfristige Anwendung möglich ist. "Ich bin froh, dass ich das Kunstherz bekommen habe, denn sonst würde ich nicht mehr leben", sagt Wolfram.

Pumpen könnten noch zehn Jahre halten

In den letzten fünf Jahren hat das künstliche Herz knapp 15 Millionen Liter Blut durch seinen Körper gepumpt. "Vor fünf Jahren konnten wir nicht sicher sein, dass ein Leben ohne Puls über Jahre hinweg gut geht und sämtliche Organe sich auf die Pulslosigkeit einstellen können", sagt Strüber. Auch jetzt sei aber noch ungewiss, wie lange die Pumpen funktionieren werden. "Ich denke aber, die Pumpen können noch gut zehn Jahre halten, aber die Schläuche zum Beispiel haben da eher Probleme", so Strüber.

Bastian Heidhoff, der ebenfalls ein künstliches Herz erhielt, will sich nicht mehr auf die Ungewissheit verlassen, er wartet nun auf ein Spenderherz. Sein eingepflanzter Defibrilator hat in der letzten Zeit fünf Mal bei vollem Bewusstsein ausgelöst. Seine rechte Herzkammer pumpt immer noch aus eigener Kraft und hatte Herzrhythmusstörungen. "Ich vertraue meinem eigenen Herzen nicht mehr und möchte nicht austesten, wie lange es hält", sagt Heidhoff.

Auch wenn die drei Patienten ein fast ganz normales Leben führen können, ist das künstliche Herz derzeit noch eine "B-Lösung", wie Professor Axel Haverich, Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, sagt. "Wir arbeiten aber daran, dass es eine A-Lösung wird." Dennoch habe sich mit den künstlichen Herzen eine ganz neue Therapieform entwickelt. Auch für Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht für eine Transplantation eines Spenderherzes qualifizieren, bekommen durch das Kunstherz eine ganz neue Alternative. Die Wartelisten für ein Spenderorgan seien wahnsinnig lang, sagt Haverich. Patienten müssten etwa fünf Jahre auf ein Organ warten - viele haben keine fünf Jahre Zeit. Insgesamt hat die MHH rund 100 Patienten mit einem künstlichen Herzen.

Kein Puls zu spüren


Bei den sogenannten Kunstherzen handelt es sich den Angaben der MHH zufolge um Linksherzunterstützungssysteme. Der etwa zwölf Zentimeter lange und 375 Gramm schwere "Heartmate II" besteht aus einer Hochleistungspumpe, die an die linke Herzkammer angeschlossen wird. Der Motor der kleinen titanbeschichteten Kreiselpumpe dreht sich bis zu 10.000 Mal pro Minute und pumpt so das Blut über die Hauptschlagader in den Körper. Ein Kabel verbindet das Kunstherz mit der Steuerungselektronik und den Akkus, die außerhalb des Körpers in einer Tasche getragen werden. Da das Kunstherz kontinuierlich pumpt, ist bei den Patienten normalerweise kein Puls zu spüren.

Nino Wolfram hat trotzdem immer noch einen eigenen Puls. "Die Ärzte wundern sich da auch immer drüber", sagt Wolfram. Angst davor, dass das künstliche Herz einmal nicht mehr schlagen könnte, hat Wolfram nicht. "Da darf man gar nicht dran denken." Einen Notfallplan oder Ähnliches gebe es nicht, sagt er und zuckt mit den Schultern. "Man muss halt durchhalten." Nach seiner Operation hat er einige Zeit gebraucht, um sich an das künstliche Herz zu gewöhnen. Jetzt sei er zwar ein wenig vorsichtiger geworden, aber seinen Alltag beeinflusst das künstliche Herz kaum. Der Gang ins Fitnesstudio und Fahrrad fahren gehören für den lebenslustigen Mann dazu. Anders als Heidhoff will er zunächst keine Transplantation. "Ich vertraue meinem Herzen", sagt der 26-Jährige.

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