Sie befinden sich hier: Startseite

Europa erlebte 2010 den heißesten Sommer seit 500 Jahren

Washington (dapd). Der Sommer 2010 hat Rekorde gebrochen: In den vergangenen 500 Jahren war es noch nie so heiß und nie war eine größere Fläche Europas davon betroffen. Das stellte ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Mitwirkung von Jürg Luterbacher von der Justus-Liebig-Universität Gießen beim Vergleich von Temperaturmessungen und Archivaufzeichnungen fest. Im noch jungen 21. Jahrhundert sei das bereits der zweite Rekordsommer, denn schon 2003 schwitzte Europa in einer bis dahin unübertroffenen Hitzewelle. Laut ihren Klimamodellen stehen Europa zunehmend heiße Sommer bevor, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin «Science Express» (doi: 10.1126/science.1201224).

 

In Deutschland erinnern sich viele noch an den Sommer 2003, als es Mitte Juni und in der ersten Augusthälfte besonders heiß war. Damals waren die Schwimmbäder überfüllt und in Krankenhäusern und Altenheimen herrschte Alarmstimmung. Tatsächlich kam es den Wissenschaftlern zufolge damals zu rund 70.000 hitzebedingten Todesfällen, vor allem in West- und Mitteleuropa.

Aus meteorologischer Sicht trieb es aber der vergangene Sommer noch extremer: Auf einer Fläche von rund zwei Millionen Quadratkilometern - das Sechsfache der Fläche Deutschlands - wurden neue Hitzerekorde gemessen. Die Temperaturen lagen zwischen 6,7 und 13,3 Grad über dem bisher im Sommer gemessenen Mittelwert. Sie kletterten sogar noch um 0,2 Grad höher als im Sommer 2003. Die Meteorologen stellten das fest, indem sie die Daten der beiden heißen Sommer mit Temperaturaufzeichnungen verglichen, die es seit 1871 gibt. Für die Zeit davor benutzten sie Werte, die man unter anderem aus historischen Dokumenten, Baumringen und Eisbohrkernen erschließen kann.

Hitzeschwerpunkt in Osteuropa

Die Hitzewelle 2010, die von Anfang Juli bis Mitte August dauerte und durch große Trockenheit verschärft wurde, hatte ihren Schwerpunkt allerdings nicht in Mittel-, sondern in Osteuropa. Insbesondere im Westen Russlands kam es zu Ernteausfällen, Bränden und nach ersten Schätzungen zu rund 55.000 hitzebedingten Todesfällen. Die Stadt Moskau erstickte in Rauch und Abgasen. Der ökonomische Schaden wird auf 15 Milliarden US-Dollar beziffert. Zwar schwitzten auch in Deutschland Reisende in unklimatisierten Zügen, dennoch bleibe in Mitteleuropa der Sommer von 2003 als noch extremer in Erinnerung, sagt Luterbacher. Das liege insbesondere daran, «dass Westeuropa 2003 von der Hitzewelle mehr betroffen war und es über einen langen Zeitraum heiß blieb».

Klimamodelle der Forscher sagen uns nun weiterhin heiße Zeiten voraus: Hitzewellen wie 2003 und 2010 könnten demnach gegen Ende des Jahrhunderts fast schon zur Normalität werden. «Aus Einzelereignissen, wie sie die Hitzewellen von 2003 oder 2010 darstellen, lassen sich allerdings keine direkten Aussagen über den Klimawandel ableiten», schränkt Luterbacher ein. «Dass diese zwei Rekordsommer und drei weitere sehr heiße Sommer in den letzten zehn Jahren stattfanden, ist jedoch bemerkenswert und die Häufung dieser Phänomene stimmt uns nachdenklich.»

Bilder-Galerie (Bild anklicken zum Vergrößern)
 


<- Zurück zu: Startseite