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Für Hochtief ist die Übernahmeschlacht verloren

Essen (dapd). Nach monatelangem Ringen ist der Weg für den spanischen Baukonzern ACS zur Mehrheitsübernahme bei Hochtief frei. «Die Schlacht ist vorüber», sagte am Donnerstag der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, der Nachrichtenagentur dapd. «Es ist jetzt klar, dass ACS seinen Plan durchsetzen kann.»

 

Der Grund für dieses Urteil: Die Spanier hatten kurz zuvor bekanntgegeben, mit ihrem feindlichen Übernahmeangebot endgültig die 30-Prozent-Marke bei Hochtief überschritten zu haben. Damit können sie nach dem deutschen Aktienrecht in Zukunft ohne teure Pflichtangebote nach Belieben weitere Aktien zukaufen. Ja, sie haben von dieser Möglichkeit sogar schon Gebrauch gemacht. An der Börse erwarben sie weitere zwei Millionen Hochtief-Papiere und stockten damit ihren Anteil auf mittlerweile 33,5 Prozent auf.

Für Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter ist es deshalb ein schwarzer Tag. Der Manager räumte in Essen ein, bei seinen Abwehrbemühungen eine Niederlage erlitten zu haben. Hochtief sei es nicht gelungen, alle Aktionäre von der Annahme des Angebots abzuhalten und damit ACS auszubremsen. Man habe alles rechtlich Mögliche und Vernünftige getan, um die Interessen der Aktionäre und des Unternehmens zu wahren. «Das hat jedoch nicht ausgereicht. Das ist ein Faktum», sagte Lütkestratkötter.

Der Konzernchef zog bereits die Konsequenzen aus der Verschiebung der Machtverhältnisse. War bislang der Kontakt zwischen Essen und Madrid abgerissen, so soll nun der Gesprächsfaden rasch wieder geknüpft werden. Lütkestratkötter kündigte an, er werde schon in Kürze mit ACS-Chef Florentino Perez zusammentreffen. Ein wichtiges Thema dabei werde eine Investorenvereinbarung sein, mit der die Zukunft des Essener Konzerns nach einer Mehrheitsübernahme durch ACS gesichert werden könnte. «Ich denke, ich werde ihn ganz kurzfristig sehen, und wir werden über die anstehenden Themen sprechen», sagte der Manager.

IG BAU sieht sich bestätigt

Wegen des erbitterten Abwehrkampfs gilt es allerdings als zweifelhaft, ob der Hochtief-Chef nach einer endgültigen Machtübernahme von ACS seinen Posten behalten kann. Er selbst sagte dazu lediglich: «Ich habe derzeit nicht die Absicht, meine Arbeit für Hochtief zu beenden. Für mich persönlich ist entscheidend, dass ich meine Aufgabe stets unabhängig und zum Wohle des Unternehmens, seiner Mitarbeiter und aller Aktionäre erfüllen kann.»

Der wegen seiner frühen Kontaktaufnahme zu ACS von Hochtief-Betriebsräten heftig kritisierte Chef der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Klaus Wiesehügel, sah sich durch den Etappensieg der Spanier unterdessen in seinem Vorgehen bestätigt. «Wir sind froh, dass wir rechtzeitig das Gespräch mit ACS gesucht und so eine wirksame, die Arbeitnehmerinteressen schützende Vereinbarung erreichen konnten», sagte er. Die IG BAU sei sicher, dass ACS «diese Vereinbarung beachtet und es weder zu einer Zerschlagung von Hochtief noch zu einer Missachtung bestehender Arbeitnehmerrechte oder gar zu einer Entlassungswelle kommen wird».

Schon auf der kommenden Hauptversammlung von Hochtief am 12. Mai könnte es ACS mit seinem Aktienpaket gelingen, bestimmenden Einfluss auf die Zusammensetzung des Hochtief-Aufsichtsrats und damit indirekt auch auf den Vorstand des Konzerns zu erlangen. Doch selbst wenn es im Mai noch nicht reichen sollte, macht dies nach Einschätzung von Aktionärsschützer Tüngler keinen großen Unterschied: «Egal ob in diesem Jahr oder im nächsten - es wird passieren.»

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