Vorreiter des Trends ist Olympus. Der Hersteller hat bereits einige Produktlinien der härteren Gangart wieder ausrangiert und seit März zwei neue solide Modelle im Portfolio. Laut Datenblatt sind diese bis zu Tiefen von 3 beziehungsweise 10 Metern wasserdicht und sollen aus 1,5 beziehungsweise 2 Metern Höhe Stürze unbeschadet überstehen. «Nicht einen Kratzer hat das Gerät bekommen», sagt Holger Hagedorn von der Zeitschrift «Foto Hits». Er hatte zuvor das Modell µ TOUGH 8000, das bei Olympus mit 399 Euro in der Liste steht, einem Outdoor-Test unterzogen.
«Als deutlich robuster als die normalen Kompaktkameras» stuft der Kameraexperte die neu entdeckte Gerätegattung ein: «Wenn Sie eine normale Kamera - angeschaltet und mit ausgefahrenem Objektiv - fallen lassen, ist sie danach wahrscheinlich völlig unbrauchbar.» Die Outdoor-Knipsen dagegen hielten, was Name und Datenblätter versprächen und seien für den Urlaub am Strand, die Tour mit dem Mountainbike oder die Abfahrt auf der Skipiste ausreichend gewappnet und «nutzbringend einsetzbar». Neben Stößen böten die Geräte generell auch Staub und Wasser die Stirn. Werde herstellerseitig mit erhöhter Frostresistenz geworben, sollte vor allem auf die Akkulaufzeit bei niedrigen Temperaturen geachtet werden. Für Unterwasseraufnahmen empfiehlt sich eine hohe Lichtempfindlichkeit.
«Das klassische Motiv für den Kauf einer Kamera ist der Urlaub», sagt Markus Nierhaus, Sprecher des Herstellers Fujifilm Europe. Seine Firma hat mit der Finepix Z33WP (unverbindliche Preisempfehlung 199 Euro) eine bis zu drei Meter wasserdichte Knipse erstmalig ins Programm genommen, «die auch mal mehr aushält». Für ihn ist das Aufkommen der neuen Robusten nur folgerichtig: «Wir sind eine sehr aktive Gesellschaft geworden», sagt er. Falle die Kamera in den Dreck, «waschen Sie sie einfach ab». Das gehe mit einer «normalen» Kamera nicht.
«Das ist ein interessanter Markt», heißt es bei Canon, wo man mit der Powershot D10 (unverbindliche Preisempfehlung 369 Euro) ebenso wie Panasonic mit der Lumix FT1 (unverbindliche Preisempfehlung 399 Euro) mittlerweile ebenfalls erstmals widerstandsfähige Kompaktkameras anbietet. Bereits die Nachfrage nach Unterwassergehäusen für Hobbytaucher, die für viele Modelle erhältlich sind, habe die neue Marktnische erahnen lassen. Schon in den neunziger Jahren hatte Canon eine Outdoor-Kamera aufgelegt - damals allerdings noch mit analogem Innenleben.
Bei Bedienung, Technik und Funktionsumfang hat Experte Hagedorn keine nennenswerten Unterschiede zu den vergleichbaren Kompakten ohne die genannten Outdoor-Features ausgemacht: «Was Bildqualität, Zoomeigenschaften, Geschwindigkeit oder Speicherkapazität angeht - das ist vergleichbar mit den normalen Kameras. Im Grunde genommen bekommt man nur ein dickes Plus, nämlich das dicke Gehäuse.» Die gummierten Einstellknöpfe seien mitunter «etwas ungewohnt». Ferner eigne sich eine der kleinen Unverwüstlichen gut als Zweitgerät: Denn Unterwassergehäuse für Spiegelreflexkameras kosteten oft mehrere hundert Euro.
Hagedorn hat eine einfache Erklärung für den Trend zu den Outdoor-Kameras: «Viele Hersteller haben einfach gemerkt, wie empfindlich ihre herkömmlichen Digitalkameras eigentlich sind.» Deshalb sieht er in den robusten Kleinen auch keine vergängliche Mode, sondern ein Segment, das sich lange halten könnte. (ddp)
Hersteller entdecken die Outdoor-Kamera neu
Heidelberg / Berlin (ddp). Als die Welt der Fotografie noch analog war, gab es sie schon einmal: robuste Kameras für den Einsatz bei Wind und Wetter. Markant gummiert und klobig waren die Nischenprodukte damals. Jetzt legen viele Hersteller digitale Kompaktkameras auf, die stoßresistent, wasserdicht und gegen Staub gefeit sind. Und die neuen Kameras kommen dabei oft sogar in filigranem Design daher. Womöglich haben sie das Rüstzeug, aus der Nische herauszutreten.
24.04.09 -








































