Freiburg (dapd). «Eltern wählen im Alltag gerne den konfliktarmen Weg und servieren ihren Kindern nur die Lebensmittel, die diese kennen und mögen», sagt Dagmar von Cramm, Autorin des Kochbuchs «So schmeckt es Kindern». Das Problem sei, dass der Nachwuchs auf diese Weise nie neue Aromen kennenlerne und somit auch keine Möglichkeit habe, seine Geschmacksvorlieben zu erweitern.
Um Kinder an eine vielseitige und damit gesunde Ernährungsweise heranzuführen, sei es wichtig, ihren Geschmackssinn von Anfang an zu schulen. «Am besten ernährt man sich schon in der Schwangerschaft möglichst vielseitig», sagt von Cramm. Über das Fruchtwasser komme so auch das Kind in den Genuss der verschiedenen Aromen. «Auch durch das Stillen lernen Babys vielfältigere Geschmacksrichtungen kennen als beim Füttern mit Säuglingsmilchnahrung», sagt die Freiburger Ernährungswissenschaftlerin. Außerdem empfiehlt sie entsprechend aktueller ernährungswissenschaftlicher Erkenntnisse, Säuglingen ab dem fünften Monat zusätzlich zur Muttermilch vielseitige Beikost zu füttern. Dies wirke sich auch positiv auf die Geschmacksbildung aus.
Keine Extrawürste für den Nachwuchs
Später sollten Eltern darauf achten, Mahlzeiten immer gemeinsam mit ihren Kindern einzunehmen und für die ganze Familie dieselbe Speise zuzubereiten. Dabei gelte die Regel: «Es wird nur das gegessen, was auf den Tisch kommt - und alles wird zumindest einmal probiert», sagt von Cramm und empfiehlt: «Wenn das Kind das angebotene Essen dann wirklich nicht mag, isst es eben die anderen Dinge, die auf dem Tisch stehen - Extrawürste gibt es nicht.» So kämen Kinder auch auf den Geschmack neuer Gerichte - denn der Mensch möge nun mal das, was er gewohnt sei zu essen.
Püriertes Gemüse einschmuggeln
Vielen Kindern ist besonders Gemüse verhasst. Um hier die Motivation zu steigern, empfiehlt Dagmar von Cramm Belohnungen. «Allerdings sollte man dabei nicht auf Süßigkeiten setzen, sondern stattdessen beispielsweise auf schöne Aufkleber oder auf Gutscheine für Vorlesen oder eine Spielerunde», sagt die Expertin. Man könne auch das Gemüse in pürierter Form unter andere Speisen mischen oder roh als Fingerfood reichen. «So gewöhnen sich Kinder mit der Zeit an den Geschmack», sagt von Cramm.
Natürlich hätten Kinder auch das Recht, einige ganz exotische Lebensmittel zu verschmähen oder sich auch mal eine Leibspeise zu wünschen. «Man sollte es nicht auf Machtkämpfe ankommen lassen, sondern den Nachwuchs eher spielerisch an verschiedene Geschmacksrichtungen heranführen», betont von Cramm. Der Spaß am Essen und Genießen sollte im Vordergrund stehen.
Kinder an verschiedene Geschmacksrichtungen heranführen
In vielen Familien gibt es jeden Tag einen extra Kinderteller. Während die Erwachsenen für sich ein vollwertiges Mahl zubereiten, bekommt der Nachwuchs Nudeln mit Ketchup, Nudeln mit Tomatensoße oder auch mal Nudeln mit Fischstäbchen. Mit dem konfliktarmen Weg tut man den Kindern aber langfristig keinen Gefallen.
26.05.11 -



















































