In der Frühzeit des Menschen war Bitteres schmecken zu können eine wichtige Überlebensstrategie - schließlich sind die meisten giftigen oder ungenießbaren Substanzen bitter. Zunge, Gaumen, Rachen und Kehlkopf sind daher mit molekularen Sensoren, den sogenannten Bitterrezeptoren ausgestattet, die wie Antennen auf der Spitze von Geschmackszellen sitzen und an die bittere Stoffe andocken können. Die Sinneszelle meldet den Kontakt ans Gehirn, sobald eine solche Bindung entsteht, und ein bitterer Geschmackseindruck entsteht. Der Mensch besitzt 25 Gene mit Bauplänen für solche Rezeptoren, wie Forscher bereits seit einigen Jahren wissen.
Die genauen molekularen Vorgänge beim Bitterschmecken sind trotzdem immer noch nicht bekannt. So konnten beispielsweise noch nicht für jeden Bitterstoff der oder die passenden Rezeptoren gefunden werden. Umgekehrt gibt es immer noch etwa zehn Antennenvarianten, die Forscher als "verwaist" bezeichnen - auf welche Bitterstoffe sie reagieren ist von ihnen ist nicht bekannt. Das Team um Behrens und Meyerhof konnte nun zumindest einem der verwaisten Rezeptoren einen passenden Bitterstoff zuordnen: Ebenso wie drei andere Bittersensoren wird der Rezeptor namens TAS2R50 von Amarogentin und sogar noch einem zweiten Bitterstoff, dem aus dem Akanthusgewächs Kalmegh stammenden Andrographolid, aktiviert.
Von ihrer Entdeckung erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse dazu, wie der Geschmackssinn genau funktioniert. Damit könnte besser verstanden werden, wie bestimmte Nahrungsvorlieben entstehen. In Zukunft sollen die Ergebnisse helfen, Bitterblocker zu entwickeln, die beispielsweise den bitteren Geschmack von bestimmten Arzneistoffen kaschieren und damit die Einnahme der Medikamente angenehmer machen.
Sensoren für den bittersten Naturstoff der Welt entdeckt
Potsdam-Rehbrücke (ddp). Ein italienisch-deutsches Forscherteam hat entdeckt, wie die Zunge die bitterste Substanz der Welt wahrnimmt: Gleich an vier spezielle Antennenmoleküle dockt der Stoff namens Amarogentin, der aus Enzian gewonnen wird, an, die seine Anwesenheit dann ans Gehirn melden. Dieses System ermöglicht es, Amarogentin noch in einer Verdünnung von eins zu 58 Millionen zu schmecken - eine Konzentration, die entsteht, wenn man ein Schnapsglas des Bitterstoffs mit der Wassermenge von 5800 Badewannen verdünnt. Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke berichtete am Dienstag über die Entdeckung von Maik Behrens und Wolfgang Meyerhof.
13.10.09 -



















































