Um unseren wachsenden Appetit auf Fisch zu stillen, exportieren wir die Überfischung in andere Teile der Welt“, sagt Nina Wolff, Meeresschutzexpertin der Deutschen Umwelthilfe. Die europäischen Fischbestände können den heimischen Bedarf nicht decken. Sie müssten dafür wieder aufgebaut und danach nachhaltig befischt werden, um das wertvolle Ökosystem zu erhalten und die Abhängigkeit der EU von Fischimporten zu verringern. Laut Greenpeace sind 88 Prozent der europäischen Speisefischbestände überfischt, wobei fast ein Drittel dieser Bestände sich womöglich nicht mehr erholen wird.
Die Meere gelten seit jeher als unendlich und somit auch die Lebensmittel, die wir aus ihnen gewinnen. Schließlich ernähren sie den Menschen seit Tausenden von Jahren. Damit ist spätestens dann Schluss, wenn die wichtigsten Speisefischbestände kollabiert sind. Kanadische Fischer haben dies vor knapp 20 Jahren am eigenen Leib erfahren. An der Küste von Neufundland wurde bis zum bitteren Ende Kabeljau gefangen, was 1992 in ein Fangverbot mündete. Bis heute konnten sich die Bestände nicht mehr erholen, mit gravierenden Folgen für das Ökosystem und die regionale Wirtschaft. Fehlen Fressfeinde, vermehren sich deren Beutetiere überproportional: Das ökologische Gleichgewicht geht verloren.
Bleiben die weltweiten Fangmengen auf derzeitigem Niveau bestehen oder werden gar weiter erhöht, können sich Bestände nicht erholen. Alleine der jährliche Beifang, der noch auf See tot über Bord geworfen wird, hat ein jährliches Volumen von geschätzten sieben Millionen Tonnen. Darunter finden sich unter anderem Schildkröten, Haie, Delphine aber auch unerwünscht gefangene Speisefische wie etwa Sardinen.
Besonders dramatisch sind die Auswirkungen von Grundschleppnetzen. Sie zerstören in Sekunden, was in Jahrhunderten gewachsen ist wie beispielsweise Korallen. Der britische Journalist Tristram Stuart bringt es in seinem Buch „Für die Tonne – Wie wir unsere Lebensmittel verschwenden“ mit einem Vergleich auf den Punkt: “Stellen Sie sich vor, die Standardmethode für das Töten von Nutztieren bestünde darin, mit Hilfe von Bulldozern ein Netz durch die Landschaft zu ziehen und dabei Bäume und Hecken zu entwurzeln, historische Denkmäler zu zertrümmern und mitsamt den Kühen alles auszurotten, von Dachsen und Wieseln bis zu Kiebitzen und Schleiereulen, die allesamt einen langsamen Erstickungstod sterben würden. Genau dies passiert jeden Tag unter der Meeresoberfläche (…).“Ein weiteres Problem ist die illegale Fischerei, die sich an keinerlei Fangquoten gebunden fühlt.
Fisch aus Aquakultur ist keine Alternative, sondern heizt die Überfischung der Meere vielfach weiter an. Um den Futtermittelbedarf der Zuchtfische zu decken, wird gefangen was das Meer hergibt. Die Aquafarmen wandeln eine Fischart in eine andere um, was meist mit Verlusten einhergeht: Um ein Kilogramm Lachs zu erzeugen, werden in etwa vier Kilogramm Fischmehl benötigt. Zudem sind die Zuchtumstände beim beliebten Pangasius weitgehend katastrophal. 90 Prozent des begehrten Speisefischs stammt aus Vietnam. Am Mekong drängt sich eine Fischfarm an die andere. Oftmals befinden sich zu viele Fische in den Zuchtbecken, so dass ein erhöhter Einsatz von Medikamenten und Chemikalien erforderlich ist. Diese gelangen zusammen mit dem Fischkot meist ungefiltert in den Fluss, der wiederum die einzige Trinkwasserquelle für arme Teile der Bewohner darstellt.
Konsumenten, die nicht auf Fisch verzichten und gleichzeitig bewusst einkaufen möchten, müssen sich mit der Thematik tiefgehend beschäftigen. „Man muss dabei nicht nur nach Fischart, sondern auch nach den einzelnen Fangebieten unterscheiden“, erklärt Jürgen Knirsch von Greenpeace. Bereits in fünfter Auflage hält die Umweltschutzorganisation ihren Fischratgeber als Download und in gedruckter Form bereit. Doch mangelhafte oder fehlende Kennzeichnungen machen es Konsumenten schwer sich zu orientieren. Obwohl die Angabe des lateinischen Namens des Fischs beispielsweise bei Konserven nicht vorgeschrieben wird, finden sich entsprechende Angaben bei den meisten Produkten.
Welche Thunfischart der Lieferant Saupiquet verarbeitet und woher er stammt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Dabei gelten einige Thunfischarten als gefährdet. Lediglich ein Produktionscode ist auf den Konserven zu finden, den man auf der Internetseite des Unternehmens eingeben kann. Innerhalb 48 Stunden erhält man per E-Mail nähere Informationen über Thunfischart, Fangmethode und -gebiet. Doch kaum ein Kunde wird im Laden eine solche Anfrage starten und auf eine Antwort warten.
Eine nachhaltige Fischerei bedarf größtmöglicher Transparenz, damit verantwortungsvolle Konsumenten sich bewusst für einen Kauf entscheiden können. Licht ins Dunkle bringt das Marine Stewardship Council (MSC). Die internationale Organisation zertifiziert nachhaltige Fischereibetriebe. Deren Produkten dürfen tragen das MSC Siegel.
























































