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Stilechtes Wohnen für Rocker

Berlin (ddp). Nachtmenschen haben es in Hotels üblicherweise schwer: Frühstück gibt es von 6.00 bis 9.00 Uhr, ab 10.00 Uhr droht der verharmlosend "Auschecken" genannte Rauswurf. Und Krach darf der Gast auch nicht machen, weil sich dann die Zimmernachbarn beschweren. Im tiefsten Kreuzberg, kurz hinter dem Lausitzer Platz, ist das anders. Seit September 2006 bietet hier die "Rock 'n' Roll Herberge" Logis sowohl für Touristen als auch für Rockmusiker auf Tour. Und deren Tagesrhythmus weicht bekanntlich schon berufsbedingt von dem des durchschnittlichen Hotelgastes ab.

 

"Hier im Kiez spielen jede Woche etwa 20 bis 30 Bands. Der Bedarf nach einer bequemen und günstigen Unterkunft ist dementsprechend groß", erklärt Bruno, der gemeinsam mit Geschäftspartnerin Ela die "Rock 'n' Roll Herberge" betreibt. Bruno macht selbst seit Jahren Musik und kennt die Probleme von Bands auf Tour: "Jugendherbergen sind günstig und ohne Komfort, Hotels teuer, und unpersönlich sind beide."

So entstand die Idee, mit der "Rock 'n' Roll Herberge" eine Alternative zu schaffen. «Bei uns sollen die Leute einfach Spaß haben und sich wohlfühlen», sagt Ela, die es aus Franken nach Berlin gezogen hat. Dazu gehört natürlich auch ein anderer Tagesablauf als in Standardhotels. Frühstücken können die Gäste erst ab 10.00 Uhr, dafür aber bis 16.00 Uhr am Nachmittag und ausgecheckt wird erst nachmittags um 14.00 Uhr. Frühstücksraum, Rezeption und Wohnzimmer in einem ist die Kneipe, die ebenfalls zur Herberge gehört und jedem bis zum frühen Morgen offen steht. Hier servieren die beiden 26-jährigen Hotelbetreiber, die schon früher in der Gastronomie gejobbt haben, unter anderem selbst entworfene Cocktails mit Namen wie "Debbie Harry" oder "Pablo Escobar."

Sieben Zimmer stehen den Gästen zur Verfügung. Die Auswahl reicht vom Einzel- bis zum 5-Bett-Zimmer. "Auch hier wollten wir kein Schema F, sondern eine individuelle Einrichtung", erzählt Ela. Darum haben sieben befreundete Kreuzberger Künstler jeweils einen Raum gestaltet. Das Spektrum reicht vom Schwerpunkt Rock 'n' Roll über den Asia-Look bis hin zum romantisch-verspielten Doppelzimmer. Der größte Raum wird Band-Zimmer genannt, weil hier bis zu fünf Personen unterkommen können. "Zerstörungen sind nicht im Preis inbegriffen", sagt Ela und schmunzelt.

Dem Klischee des Hotelzimmer verwüstenden Rockmusikers ist in der Kreuzberger Herberge ohnehin noch nie entsprochen worden. "In die Blumenvase zu pinkeln ist nur in einem Nobelhotel cool. Bei Freunden macht man das nicht", erklärt Bruno das einwandfreie Benehmen seiner Gäste. Die bislang größte Zerstörung bestand in einer eingetretenen Tür, und das war "nicht böse gemeint", wie Bruno sagt. Ein Gast war nachts "völlig besoffen" in die Herberge zurückgekehrt und kam nicht in sein Zimmer hinein. "Bevor ich mit dem Schlüssel oben war, lag der schon schlafend hinter der kaputten Tür. Am nächsten Tag hat er mir bei der Reparatur geholfen", erzählt der Gastwirt.

"Für uns steht der Spaß im Vordergrund, nicht das Geldverdienen", erklärt Ela die entspannte und familiäre Atmosphäre in der Herberge. Und Spaß habe sie trotz der vielen Arbeit, die ein Gastronomiebetrieb mache. Schließlich wird auch gefeiert, wie beispielsweise jedes Jahr der Geburtstag der "Rock 'n' Roll Herberge". In zwei Wochen ist es wieder so weit. "Wir mieten ein Boot und fahren die Spree hinunter", berichtet Bruno von der geplanten Geburtstagparty. Natürlich wird an Bord auch eine Band spielen. Die Bootstour soll unter anderem durch das Regierungsviertel führen. "Dann zeigen wir denen, was Rock 'n' Roll ist."

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