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Von Wörgl bis nach Quickborn: Wege aus der Wirtschaftskrise

Die Regierungen der Welt scheinen hilflos der Wirtschaftskrise ausgeliefert zu sein. Mit den traditionellen finanzpolitischen Maßnahmen wird Schadensbegrenzung betrieben– oftmals mit inflationärem Ausgang für die Stabilität der Währung. Kommunen zeigen, dass es anders geht und beschreiten eigenen Wege in Sachen Finanzpolitik, um einen Weg aus der Krise zu finden.

Von: Paul Hüber

Geschichte wiederholt sich! So werden auch die Finanzmärkte – ob national oder international – in regelmäßigen Zyklen von schweren Krisen heimgesucht. Auch die Krisenjahre der zwanziger und dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die als große Depression in die Geschichte eingingen, bedrohten das komplette Wirtschaftssystem. Die Konjunkturen der Welt ächzten unter der Massenarbeitslosigkeit,  dem Zusammenbruch von Wirtschaftszweigen und einer schweren Bankenkrise. Nur eine kleine Gemeinde im österreichischen Tirol trotzte der Weltwirtschaftskrise wie einst ein gallisches Dorf den einfallenden Legionen Cesars.

Dieses gallische Dorf bediente sich wundersamen Getränken um sich gegen den scheinbar übermächtigen Feind zu behaupten. Das österreichische Dorf namens Wörgl bediente sich auch einer Wunderrezeptur, um der scheinbar übermächtigen Krise entgegenzutreten. Sie druckten ihr eigenes Geld in Form von Arbeitswertscheinen. Diese hatten eine vorgegebene Halbwertszeit und wurden daher schnell verkonsumiert. Eine prosperierende Wirtschaft innerhalb der kleinen Stadt war die positive Folge. Es wurde kein Geld mehr auf den Banken gehortet, eine Deflation hatte keine Chance. Somit wurde die kleine Gemeinde immun gegen die Pandemie der Deflation – die ganz Europa in die Knie gezwungen hatte. Wie bei dem gallischen Zaubergetränk kam es bei dem Wirtschaftswunder von Wörgl auf die Mischung an. Verschiedene konjunkturfördernde Maßnahmen wurden ergriffen.

Ein weitere Zutat um von der Wirtschaftskrise verschont zu bleiben und sogar zu wachsen war: ein ausgedehntes Wirtschaftsförderprogramm. Es wurden in hohem Maße Bauaufträge erteilt. Diese wurden nicht mit dem österreichischen Schilling beglichen, sondern mit den Wörgl´schen Wertscheinen. Die Bauunternehmer hatten hohes Vertrauen in dieses Zweitzahlungsmittel und ermöglichten wichtige strukturelle Bauvorhaben. So auch die Müllnerntal-Brücke, die mit dem sogenannten „Frei-Geld“ bezahlt wurde. Diese Bauvorhaben ließen auch die Arbeitslosigkeit – die größte Herausforderung der damaligen Zeit –  effektiv sinken.

Doch was geschah mit diesem vielversprechenden Projekt? Da viele Bürgermeister mit dem Gedanken spielten das Wörgl´sche Konzept einzuführen,  sah die Österreichische Nationalbank ihr Privileg auf Herausgabe von Wertpapieren bedroht - und klagte vor dem Verwaltungsgerichtshof. 1933 bekam die kleine Stadt mit großem Erfolg einen Strich durch ihre (Bilanz)Rechnung und musste das Projekt einstellen. Bis heute wird das „Wörgler Freigeld“ in Ehren gehalten –  bleibt aber im Museum. Wird es nicht wieder Zeit für ein neues Wörgler Wunder?

Gibt es auch heute Möglichkeiten der Krise zu trotzen? Ja, diese gibt es - Bürger werden zu Bürgen! In Quickborn entsprang aus einer Bürgerversammlung die Idee, dass die Bewohner ihrer Stadt Kredite vergeben, die für beide Seiten wesentlich attraktiver verzinst werden als bei den Banken. Somit sprudelte frisches Geld in die leeren Stadtkassen das für wichtige Projekte wie Schulbau und Infrastruktur dringend benötigt werden. Eine „win win“ Situation für Stadt und Bürger.  Es ist: „Ein Paradebeispiel für kommunale Selbstverwaltung.“ Und womöglich der Weg aus der Krise für tausende deutsche Städte.

Die in Quickborn geborene Idee zur Bürgerfinanzierung der Gemeinde könnte Schule machen und stellt ein attraktives Finanzierungsmodell dar. Doch stellt dieses alternative Finanzierungsmodell eine Bedrohung für die gut laufenden Geschäfte der Banken dar,  die durch die niedrigen Zinsen der Bürger-Kredite ausgestochen werden. Wie einst in Wörgl schalten sich nun die Banken ein und fühlen sich benachteiligt – von unlauteren Geschäften wird gesprochen – und gingen gegen das Quickborn-Modell vor. Die Bankenaufsicht (Bafin) hat auf Drängen der Deutschen Bank eine rechtliche Analyse des Modells vorgenommen. Die Kommunalaufsicht nahm ebenfalls das Erfolgsrezept unter Beobachtung. Man kam zum Entschluss: Eine Kommune dürfe keine Bankgeschäfte tätigen – und untersagte die Bürger-Kredite.

 „Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“ (J.F.K)

Dieses Zitat von Kennedy ist ein schöner Grundsatz für einen gut funktionierenden Staat. Ist es aber nicht Schade das die Interessen der Banken mehr Gewicht haben als die des Gemeinwohls? Im Chinesischen gibt es mehrere Entsprechungen für das Wort Krise. Eine davon bedeutet Gelegenheit – wie auch Kennedy öfters in seinen Reden erwähnte. Sollten wir nicht aus der Krise eine Gelegenheit machen um neue Wege zu beschreiten?

Hinweis: Haben Sie andere Ideen wie man notleidenden Gemeinden helfen kann? Bitte teilen Sie ihre Ideen zur alternativen Stadtfinanzierung der Redaktion unter redaktion@freie-allgemeine.de mit. Die besten Vorschläge werden veröffentlicht.

Bilder-Galerie (Bild anklicken zum Vergrößern)
 


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